Wort gesucht? – Wörterbücher gefunden.

Eine eigene Geschichte zum Nutzen von Wörterbüchern:

Gestern habe ich auf meiner Leselust die ersten Hörtexte in Sachen Schullektüre eingestellt und bin bei meinem Lieblingstext Sommergsang von Paul Gerhardt über ein völlig unvertrautes Wort gestolpert: bekleiben … Hä?

Im Gesangbuchtext finde ich in der vorletzten Strophe:

Mach in mir deinem Geiste Raum,

daß ich dir werd ein guter Baum,

und laß mich Wurzel treiben. (eg 503)

Die Version ist mir wohl vertraut. Der Original-Text lautet aber:

Baum Japanischer Garten Leverkusen bekleiben Wörterbücher
Dieser blühende Baum im Japanischen Garten in Leverkusen hat gute Wurzeln gebildet, scheints – oder ist eben “wohl bekleibt”. Foto: Heike Baller

Mach in mir deinem Geiste Raum,

Daß ich dir werd ein guter Baum,

Und laß mich wohl bekleiben:

(Gedichte des Barock, hrsg. von Ulrich Maché und Volker Meid, Reclam-Verlag, 1980, S. 174)

Und was soll das Wort “bekleiben” nun heißen? Das Grimmsche Wörterbuch hilft weiter:

bekleiben
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1419, Z. 75
beklieb, coalescere, radices agere, wurzeln, nahverwandt mit bekleben (ahd. chlëpên = chlipên). alts. kînan eftha biklîban, keimen und anwachsen. Hel. 75, 9. mhd. beklîben bekleip bekliben, nnl. beklijven (Quelle: https://www.dwds.de/wb/dwb/bekleiben )

Aha – das Wort ist durchaus sinnverwandt mit der Übertragung “Wurzel treiben”! Es folgen jede Menge mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Belege für den Gebrauch des Wortes.

Wie Sie an der URL sehen können: Es gibt da eine übergeordnete Seite: DWDS  – Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart.

Suche ich direkt in der Suchzeile des DWDS bekomme ich das hier angezeigt – das ist dann auch noch besser verständlich 😉

bekleiben

Worttrennung: be-klei-ben (computergeneriert)

Duden GWDS, 1999

Bedeutungen:

a) haften, wurzeln

b) stecken bleiben (Quelle)

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