Netzfundstücke. Heute: Wörterbuch der deutschen Winzersprache

Es ist Herbst, ich war in Frankreich im Urlaub – Zeit für ein Spezialwörterbuch, nämlich das der Winzersprache ;-). Hier allerdings das Wörterbuch der deutschen Winzersprache – allen Frankreichurlauben zum Trotz. Und eher eins für historisch Interessierte. Dazu unten mehr.

Was verzeichnet das Wörterbuch der deutschen Winzersprache?

Fachbegriffe, die für Winzer_innen gängig sind oder waren, für Fachfremde eher kurios klingen.

Falls Sie nicht in dem Beruf arbeiten – haben Sie schon mal vom „Ablasszüberlein“ gehört? Als eher theolgisch als önologisch geprägte Person waren meine Assoziationen irgendwo im 15. und frühen 16. Jahrundert – Ablasshandel, so die Richtung. Es handelt sich aber um ein Gefäß, in das Most oder Wein fließt. Im Wörterbuch sieht der Eintrg dann so aus:

Ablass-züberlein n. Dim.: 1.a.ovales Gefäß von ca. 100l Inh. mit 1 Griff, das unter dem „Büttenkreuz“ steht u. in das der Most aus dem Gefäß unter der Mühle abgelassen wirdWürtt. 09.-  c.Gefäß, in das der Most aus der Presse rinntGeorg. 02.-  2.a.im Weinkeller verwendetes GefäßWürtt. 09, Bad. 07.-  b.Gefäß, das beim Umfüllen des Weins von einem Fass in ein and. verwendet wirdGeorg. 02.-  c.beim Abstich verwendetes GefäßWürtt. 09, Bad. 11, Georg. 02.-  d.Gefäß unter dem tropfenden FasshahnWürtt. 09. Formen: Sg.: Württ. 09, Bad. 11, Georg. 02, Bad. 07. Hist. Bel.: 1679 Ablass- und Trettzüberlin (SchwäbWB).- vgl. Ablasszuber, Züberlein. Lit.: SchwäbWB 1, 41.

https://www.wdw.uni-trier.de/onlinewb/

Wie Sie aus den verschiedenen Verweisen schon erschließen können, variiert die konkrete Bedeutung (beim Mosten, beim Abfüllen, eine bestimmte Größe oder Form) je nach Region. Die Links im Text verweisen nicht auf weitere Quellen, sondern auf Karten. Dort erfahren Sie dann mit Hilfe eines Pfeils, wo das Wort mit der konkreten Nummer (z. B. Württ 09 oder Bad 11) aufgenommen wurde:

Landkarte mit Bezeichnungen von Weinabaugebieten, grüngrundig, mit roten Punkten udn Nummern, un einem roten Pfeil.

Auch die Aussprache variiert – die Beispiele in Lautschrift am Ende des Eintrags machen das deutlich.

Weitere Informationen im Wörterbuch der Winzersprache

Sie können zu einzelnen Einträgen auch Bilder sehen – zum „Ablasszüberlein“ nun gerade nicht, aber zum „Ablasszuber“ und zum „Ablasshahn“:

Die Sache mit der Aussprache bringt einen weiteren Informationsaspekt mit – Tonbeispiele:

Liste von Begriffen der Winzersprache daneben Hinweis auf die Tonbeispiele mit Angabe der Region
Liste der Tonbeispiele

Sie sehen hier die einzelnen Begriffe – als Link zum jeweiligen Artikel – und daneben das Tonbeispiel, ebenfalls als Link. Dabei handelt es sich nicht einfach nur um die Aussprache des einzelnen Wortes, sondern es sind längere Tonbeispiele mit Ausführungen der Sprechenden zum jeweiligen Wort. Wer es wann und wie benutzt hat. Da es sich um Dialektbegriffe handelt, ist das mit dem Verstehen nicht sooo leicht. Aber spannend.

Wer betreibt ein solches Wörterbuch?

Es handelt sich um ein Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Ziel ist ein Lexikon zur Winzersprache in allen Weinanbaugebieten, in denen deutsch geprochen wird oder wurde. Neben Schweiz und Österreich sind auch Regionen in Rumänien, Moldavien oder Aserbeidschan vertreten. „Deutsche Sprachinseln“ ist das Kriterium. Die Daten zum Wörterbuch wruden bereits in den 80ern erhoben – mitsamt den Tonaufnahmen. Mit Hilfe moderner Techniken entsteht jetzt nach udn nach ein multimediales Wörterbuch. Es handelt sich um ein langwieriges Projekt …

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