Wie kann man Recherche lehren?

Alles Google oder was – wie kann ich Recherche lehren? Wenn ich versuche, Recherchetechniken und Recherche-Know-How zu vermitteln, muss ich erst einmal wissen, was die Menschen, die erwartungsfroh vor mir sitzen, über Recherche wissen. Wie sie damit umgehen, was sie nutzen. Dann habe ich zwei Möglichkeiten – ich arbeite einen Katalog an Recherchetechniken ab, stelle Suchmaschinen vor usw. Oder ich gehe hin und rege zum Nachfragen und Selber-Machen an, über das Ausprobieren von Tools hinaus. Beide Strategien haben ihre Vor- und Nachteile.

Recherche lehren mit einem “Anwendungskatalog”

So hab ich einige Jahre gearbeitet: Ich hatte eine Menge Input vorbereitet und viel erzählt. Es gab, wenn irgend möglich Zeit, Sachen zu testen – die ist aber bei manchen Formaten einfach zu beschränkt. Denken Sie nur an ein Halbtagsseminar – vier Stunden plus Pause – das ist nix. Damit hier die verschiedenen Möglichkeiten vorgestellt werden können, geht schon eine Menge Zeit drauf. Auf jeden Fall habe ich dann regelmäßig alle Bereiche abgearbeitet – und, damit ich nichts auslassen musste, meine Erläuterungen sehr  komprimiert. Das macht den Zugang nicht leichter … Um auf diese Weise zu arbeiten, muss die Motivation der Teilnehmenden, das Gehörte und Gesehene im Alltag selbst zu testen sehr hoch sein. Das Feedback, das ich bekam, war oft ein “Toll,  – aber viel zu viel.”

Recherche lehren Seminarsituation
Recherche lehren heißt bei mir nicht nur, Wege aufzuzeigen, sondern Ihnen auch Zeit für die Erkundung zu lassen. Foto: S. Fern

Für einen Vortrag hingegen kann das eine gute Vorgehensweise sein, denn niemand erwartet dabei Zeit zum Testen. Aber auch da ist die Zeit begrenzt – im Zweifelsfalle ist es besser, sich auf ein Thema oder einen Themenkomplex – z. B. Suchmaschinen, alternative Suchorte, Umgang mit Wikipedia – zu beschränken und einige der Tools eher en passant einfließen zu lassen. Wichtig ist gerade bei einem Vortrag, dass er zu dem passt, was die Menschen im Auditorium für ihre Arbeit benötigen – ein Kollegium einer Schule hat da einen anderen Bedarf als eine Gruppe von Assistenzen einer Firma.

Sehr wichtig ist es, den Teilnehmenden am Ende – zusätzlich zu ihren eigenen Notizen – ein Handout mit einer Liste aller vorgestellten Tools zu geben. Gründliche Nacharbeit ist erforderlich und das muss ich oder eine andere Person (Vorgesetzte, z. B.) ganz klar mitteilen.

Recherche lehren mit “Modulen”

Bei dem Stichwort “Vortrag” habe ich eben schon ein paar “Module” genannt, die zu meinen Seminaren gehören. Alles, was in Sachen Recherche gelehrt werden kann, kann ich so unterteilen. Und je nach Bedarf wird ein Seminar mal mehr auf den Punkten rund um Suchmaschinen oder um alternative Suchorte den Schwerpunkt legen. Dabei muss vo Anfang klar sein, dass bei einem Halbtags- oder auch Ganztagsseminar mit dem Anspruch, dass die Teilnehmenden alles testen sollen und können, nie alle Module berücksichtigt werden können.

Anders als bei dem “Anwendungskatalog” steht hier nicht die reine Informationsvermittlung im Vordergrund, sondern das gemeinsame  Erkunden und Bedenken. Am Beispiel der Suchmaschinen:

  • Was macht eine Suchmaschine aus?
  • Was gehört dazu?
  • Wie entsteht der Index einer Suchmaschine?

Wer sich damit befasst hat, hat eine höhere Motivation die Unterschiede bei verschiedenen Angeboten zu vergleichen und so mitzubekommen, dass sich die Ergebnisse unterscheiden. Je nach Guppe kann sich der Schwerpunkt einer solchen Veranstaltung auch erst im Vollzug entwickeln. Die Abfrage der bekannten Werkzeuge usw. am Anfang gehört dazu, klar, auch die Vereinbarung und Ausschreibung mit dem Träger von Seminar oder Workshop,  aber auch Aufmerksamkeit gegenüber Fragen, die mehrfach auftauchen und auf einen Informationsbedarf hinweisen.

Für mich ist diese Form fürs Recherche lehren eine echte Herausforderung, denn ich muss ganz oft Mund und Füße stillhalten, muss Informationen, die im Moment nicht wirklich wichtig sind, zurückhalten und die Leute machen lassen.  Wer mich kennt, kann sich meine Schwierigkeiten vorstellen.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass selbst Erarbeitetes viel besser haften bleibt – Binsenweiheit. Letzten Endes  ist es für mich als Seminarleiterin befriedigender, die Teilnehmenden gehen mit nur einem oder zwei Werkzeugen nach Hause, die sie dann aber auch tatsächlich nutzen. Wer sich weiter schlau machen möchte, findetet ggf. bei mir im Blog oder auf anderen schlauen Seiten im Netz reichlich Futter dazu: Suchmaschinenportraits, Hinweise zu Operatoren und Befehlen, Anleitungen zur Orientierung in Foren usw.

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