Und – was machen Sie so beruflich? Rechercheurin?!

Über meine Kollegin Christa Goede wurde ich auf die Blogparade “Und was machen Sie so beruflich?” aufmerksam. Ich las den Einstiegsbeitrag der Initiatorin Wibke Ladwig und musste erst mal lachen, denn schließlich geht es mir ähnlich. Mein Elevator-Pitch “Ich gehe in Bibliotheken für Menschen, die keine Zeit dafür haben” stimmt ja nur noch halb. Als Rechercheurin habe ich noch viele weitere Aufgaben.  Also war klar – da muss ich mitmachen!

Und: Was mache ich nun eigentlich?

Literaturrecherche

Das bedeutet, dass ich die für Ihr Thema relevante Literatur suche. So weit, so unklar. Denn was heißt das genau?

  • Ich durchsuche in erster Linie Online-Kataloge wie den KVK (zur Arbeit mit diesem Meta-Katalog habe ich letztes Jahr Verschiedenes gebloggt – hier, hier, hier, hier und hier).
  • Ich arbeite mit einer  Literaturverwaltungssoftware, die mir das Abpinnen krauser Datensätze abnimmt, mich bei der Recherche unterstützt und verschiedene Zitationsstile kennt.
  • Dann gibt es noch eine Reihe von Spezialbibliotheken, deren Kataloge im Internet zu finden sind und die ich bei Bedarf ebenfalls durchstöbere.
  • Zu meiner Arbeit gehört dann oft auch das Aussieben der Titel: Was ist für Ihr Thema relevant, was fällt raus? Dazu lese ich die Schlagwörter, wenn vorhanden die Abstracts oder schaue in online gestellten Inhaltsverzeichnissen nach relevanten Kapiteln.
  • Wenn Sie die Titel besorgen wollen, ist es zeitsparend, wenn Sie wissen, wo sie stehen – deshalb recherchiere ich in den für Sie “zuständigen” Bibliotheken nach Standorten und Signaturen.
  • Am Ende steht die Zusammenfassung der Ergebnise als Liste
    • entweder nur die bibliographischen Angaben (wird eher selten gefragt)
    • oder eine Liste mit Abstracts, Schlagworten und Links zu Online-Angeboten (Inhaltsverzeichnis & Co)
    • oder mit den Standortangaben
    • oder mit allem …
    • Und das Ganze in dem von Ihnen geforderten Zitationsstil.

So sieht eine Liste nur mit bibliographischen Angaben aus:

"Nackte"Literaturliste
“Nackte”Literaturliste

Und das ist ein Beispiel für eine Liste mit weiteren Zutaten:

Literaturliste mit Abstracts und Standortangaben
Literaturliste mit Abstracts und Standortangaben

Hintergrundrecherche

Das ist ein anderer Teil meiner Arbeit. Dazu durchforste ich das Netz nach Informationen, die Sie mit Ihrem Thema weiterbringen: Googeln auf hohem Niveau und die Nutzung anderer, gegebenenfalls spezieller Suchmaschinen. Die Aufgabenstellung ist da naturgemäß sehr flexibel und ich setze verschiedene Suchstrategien ein. Auch die, selber in Büchern zu suchen – ja, das hilft durchaus weiter, denn nicht alles, was Sie suchen, ist im Netz zu finden; manche eher kulturwissenschaftlich orientieren Orchideenbereiche sind da nicht vollständig ausgeleuchtet.

  • So habe ich lokalhistorische Werke im Selbstverlag studiert, um Hintergrundwissen zu einer bestimmten Zeitspanne an einem bestimmten Ort zusammenzustellen.
  • Oder in Briefbänden nach Bemerkungen von X über Y gesucht.
  • Oder einen historischen Bericht in altertümlichem Französisch exzerpiert, weil das Buch nicht entliehen und nicht kopiert werden durfte.

Es sind wirklich schon spannende Sachen vorgekommen! Wichtig ist, dass Sie am Ende Ergebnisse bekommen, mit deren Hilfe Sie weiterarbeiten können. Dazu fasse ich meine Suchen systematisch zusammen und ordne die Originaldokumente ein. Das Dossier am Ende sieht jedes Mal unterschiedlich aus – so unterschiedlich wie Ihre Aufträge.

Seminare

Da ich seit Mitte der 90er Jahre im Netz als Rechercheurin arbeite, habe ich einen großen Fundus an Erfahrung gesammelt. Den gebe ich gerne weiter – in Vorträgen, Workshops und Seminaren für Firmen, Behörden und Menschen, die mehr machen wollen, als nur ein oder zwei Suchbegriffe in die Google-Suchleiste einzugeben.

Vorträge, Rezensionen, Lesungen

Dann bin ich noch “literarisch tätig” – nicht als Autorin, sondern als Vermittlerin:

  • Ich rezensiere Bücher,
  • ich leite Literaturkreise und
  • ich biete Lesungen an. Ein Schwerpunkt ist dabei die Lyrik: Sei sie politisch oder sehnsuchtsvoll, aus dem Barock oder dem 20. Jahrhundert – für jeden Geschmack (von Lyrikliebhaberinnen ;-)) ist was dabei. Ebenfalls eine vielfältige und spannende Aufgabe – das gilt für die inhaltlichen Aspekte genauso wie für die Begegnung mit den Zuhörerinnen und Zuhörern

Den literarischen Teil habe ich ausgelagert – Sie finden alles rund um Lesen und Buch seit Mai 2013 auf der Kölner Leselust. (H. B., 15.2.2019)

Ist Ihnen jetzt etwas klarer, was ich so mache? Wenn nicht: Fragen Sie nach, ich antworte gerne!

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