Tag der Arbeitslosen

Ja, gestern war der Tag der Arbeit – ein allgemein beliebter Feiertag, ein freier Tag für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ein Tag, an dem Gewerkschafter und Politikerinnen Reden reden – das alles kennt man ja.

Wussten Sie, dass heute der Tag der Arbeitslosen ist? Klingt nach: “Wir wollen endlich Arbeit für alle”? Das ist aber gar nicht so wirklich die Stoßrichtung. Es geht eher in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen.

Die dazugehörige Website heißt: Geißel der Menschheit. Außer der Demonstrationsankündigung für heute 13 Uhr in Berlin ist da leider nix drauf (naja, noch Winkelemente …) Mehr Infos bietet der Kleine Kalender. Die Diskussionbeiträge im Erwerbslosenforum sind auch nicht mehr taufrisch – genauer gesagt von 2009. Bei Indymedia gibt es – ebenfalls von 2009 – einen Beitrag, der mal erzählt, was da auf der Demo so abgeht; die Sprache und Schreibweisen sind etwas gewöhnungsbedürftig 😉 Spannend wird es aber bei den Kommentaren, genauer gesagt bei dem langen Kommentar von saz (Straßen aus Zucker ein antifaschistisch ausgerichtetes Blog).

Initiiert haben den Aktionstag die Surfpoeten im Jahre des Herrn 😉 2004. Bei ihnen findet sich auch eine Liste von Übersetzungen vom “Gebet gegen die Arbeit, das bei den Demonstrationen gern rezitiert wird.

Irgendwie scheint der Aktionstag aber in Berlin steckengeblieben zu sein – fast alle Hinweise zeigen nur auf die Veranstaltungen dort. Bis auf eine Ausnahme: 2011 in Rostock.

Andere Länder, andere Sitten: Die Arbeitslosenstiftung der Diözese Linz in Österreich bietet Gestaltungsvorschläge für einen Gottesdienst an, der das Recht auf Arbeit für alle zum Thema hat. In Österreich ist – entgegen der Aussage im Kleinen Kalender “Tag der Arbeitslosen sei weltweit am 2.5.” – der Tag der Arbeitslosen am 30.4; hier ein paar Beispiele: 2011 in Graz, 2013,   ein Interview zur Arbeitslosensituation in Vorarlberg.

Die Nähe zum Tag der Arbeit am 1.Mai ist in beiden Fällen gegeben – und natürlich gewollt.

Sich Gedanken darüber zu machen, wie das mit der Arbeit, dem Einkommen und der sozialen Absicherung aussieht, ist ein wichtiger Teil unseres gesellschaftlichen Diskurses. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hat ihren Reiz. Andererseits gibt es  Menschen, die ihren Job gern ausüben, ihn als Berufung ansehen. Und es gibt Arbeit, die getan werden muss, ob es der Einzelnen nun passt oder nicht: Müll muss beseitigt werden, Kranke müssen operiert und gepflegt werden, Nahrungsmittel müssen hergestellt werden.

In meinen Augen ist ein Umdenken in Sachen Wertschätzung fällig. Die, die ihre Kraft einsetzen, um anderen zu helfen – als Pfleger und Ärztin, als Bauarbeiter und Abfallwirtschaftsfachkraft ;-), als Lehrer und Polizistin, als Bäuerin und Bäcker und was es da noch so gibt – sie alle, sollten gleichermaßen in ihrer Tätigkeit geachtet werden. Und da sich bei uns diese Wertschätzung  im Arbeitslohn ausdrückt, sollte da eine Änderung möglich sein – nicht mehr nur Banker, Managerinnen und Chefärzte gut bezahlen, sondern vor allem die, die an der Basis ihre Arbeit gut und zuverlässig erledigen. Dafür müssten die oben dann was abgeben. Ja.

Okay, das ist jetzt keine Dokumentation mehr darüber, was man mittels Recherche so alles zu einem Aktionstag rausfinden kann, sondern eine Meinungsäußerung. Aber ich stehe dazu: Erzieherinnen, Pfleger, überhaupt sozial tätige Menschen, aber auch viele Arbeiterinnen verdienen, gemessen an ihrem Wert für die Allgemeinheit, eindeutig zu wenig. Vielleicht doch ein bedingungsloses Grundeinkommen …? Was meinen Sie?

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