Selbständige Rechercheurin – ein Beruf im Wandel

Jahresende ist ja eh‘ immer die Zeit, etwas zurückzublicken – und das oft nicht nur auf das eine vergangene Jahr. Als selbständige Rechercheurin hat sich im Laufe der Zeit so viel bei mir geändert – unglaublich. Dafür muss ich noch nicht einmal in die 90er zurück.

Mach ich aber mal …

Mein Recherchedienst – die Anfänge

Aus der Arbeitslosigkeit habe ich 1995 meinen Recherchedienst entwickelt – völlig naiv und unvorbereitet. So viel Ehrlichkeit muss sein. Ich habe in Zeitschriften der Gewerkschaft IG Medien annonciert – und Kund_innen bekommen.

  • Für Menschen weitab von Bibliotheken hab ich Literatur gesucht, im Zettelkatalog – und auch kopiert und verschickt.
  • Für ein Musikensemble hab ich Aussagen von Komponist_innen fürs Booklet recherchiert und rausgefunden, wo weitere Werke in passenden Besetzungen liegen.
  • Für Autor_innen habe ich Hintergrundinfos beschafft.
  • Für eine Privatperson nach dem Maler eines Familienerbstücks gefahndet.

Es lief also ganz gut an.

Mehrere Blätter nebeneinander, darauf Straßenverläuse von Hamburg aus dem 14. Jahrhudnert
Mein Material für die Reihe historischer Romane Foto: H. Baller

Dann kam meine Familienphase – ein paar Jahre stand der Nachwuchs für mich im Mittelpunkt.

Das Internet entwickelte sich weiter. Google kam und alle sagten: Recherche – machen wir jetzt alleine.

Ein Neuanfang als selbständige Rechercheurin

Als ich dann wieder einstieg, kamen mehrere Sachen zusammen:

  • Wie oben schon erwähnt: Google und die Überzeugung „Es gibt alles im Internet“ – und „Recherche kann ich alleine – mit Google alles kein Problem.“
  • Dazu kam die Wirtschaftskrise, die 2008 startete – die Menschen hatten weniger Geld im Portemonnaie.

Keine guten Voraussetzungen.

Außerdem war dieses WWW doch recht unübersichtlich. In Gesprächen merkte ich, dass vieles, was mir durch die dauernde Beschäftigung mit dem ständigen Wandel im WWW klar war, anderen völlig undurchsichtig erschien.

Neben Kund_innen, deren Rechercheaufgaben ich erledigte, kamen so erste Weiterbildungen für andere hinzu; an erster Stelle in meinem Netzwerk, dem Texttreff. Hier sind Frauen zu finden, die mit und an Texten arbeiten – und einen hohen Bedarf an Recherche haben. Sie haben mich zu meinem nächsten Schritt ermutigt:
Seminare anbieten!

Nicht nur selbständige Rechercheurin – auch Seminaranbieterin!

Das ist nun seit fast 10 Jahren mein zweites Standbein: Ich biete Seminare, Workshops, Schulungen rund um Recherche an.

Über verschiedene Bildungsträger – für Studierende, Lehrer_innen, Angestellte in Firmen und Einzelpersonen.

Diese Änderung in meiner Selbständigkeit hat zweierlei zur Folge:

  • Ich kann mein Wissen weitergeben! Das macht mir Freude.
  • Ich muss immer dran bleiben – sonst gäb’s in meinen Schulungen veraltetes Wissen.

Gerade im Bereich der Suchmaschinen gibt es einen ständigen Wandel – Suchmaschinen ändern Suchoptionen wie Filter oder die Nutzbarkeit von Befehlen und Operatoren, Suchmaschinen verschwinden ganz vom Markt, totgesagte leben wieder auf … In meinem Blog und natürlich in meinen Seminaren muss ich also auf dem neuesten Stand sein, damit sowohl die, die meinem Blog folgen, als auch die Teilnehmenden meiner Seminare immer auf dem neuesten Stand informiert sind.

Alles war hübsch eingerichtet und lief – und dann kam Corona. Mein letztes Präsenz-Seminar habe ich am 29.2.2020 in Düsseldorf gegeben. Danach fielen Seminare erst mal weg – oder sie gingen online.

Da haben wir alle sehr viele Tools kennengelernt, sich mit Winken in die Kamera zu verabschieden, ist gang und gäbe – und die Zoom-Müdigkeit nach zu vielen Zoom-Meetings; so klingen die Klagen derer, die unter den neuen Bedingungen leiden.

Die bieten aber auch Chancen – an meinen Seminaren in NRW nehmen nun auch Menschen aus anderen Bundesländern teil, die sonst nicht dabei sein könnten.

Screenshot Startseite Youtube-Kanal Heike baller. Im Banner blaugrün mit gelben Reflexen, darunter ein Bild von Heike Baller und der Beginn des Videos zur Begrüßung. Caroon-Stil, Frau steht in Büro mit Rechnern.
So sieht das aus, wenn man meinen Youtube-Kanal aufruft

Und als letztes – bisher: Videos!

Um meine Inhalte noch breiter zu streuen habe ich mich dann auch noch an Erklärvideos gewagt: Seit April 2020 gibt es meinen Youtube-Kanal mit drei Teams, die Internet- und Literaturrecherche erklären, oder Tipps zur Recherchestrategie geben.

So peu à peu hat mein Dasein als selbständige Rechercheurin mir also neue Kenntnisse – über die reinen „Fachkenntnisse hinaus – abverlangt und verschafft. Und dazu Aufgaben, von denen ich nur kurze Zeit vorher gesagt hätte „Das kann ich nicht!“.

Kann ich doch.

So eine Entwicklung über inzwischen 26 Jahre – da hat sich was getan. Und ich hab mich verändert.

Ich fühle mich in meinen neuen und nicht mehr ganz so neuen Aufgabe und Rollen wohl und bin dankbar, dass ich mich weiter entwickeln konnte.

Dieser Beitrag ist angeregt durch die Blogparade von Lexoffice „Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Ich mag solche Anregungen gern, denn von mir aus käme ich nicht auf die Idee, einen solch ausführlichen Rückblick zu machen; dabei fand ich ihn beim Schreiben selber ziemlich spannend – ich hoffe, das geht anderen auch so 😉

Wer mehr Beiträge zur Blogparade lesen will, kann in den Social Media mit dem Hashtag #lebensgefühl_selbständig danach suchen oder unter dem verlinkten Beitrag von Lexoffice schauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.