Schule und “Digitalisierung” – ein wütender Zwischenruf

Beiträge wie der auf Zeit-Online zu Schule und Digitalisierung vom letzten Sonntag machen mich einfach nur wütend. Bildung ist die Ressource unseres Landes – fast die einzige, die wir haben. Sie wird von Politik und Wirtschaft verschleudert und verschludert.

Puh, so undiplomatische Sachen sage und schreibe ich nur sehr ungern. Es ist aber nötig.

Zwei Schulen stehen sich in dem Artikel gegenüber: eine in wohlsituierter Umgebung, mit gutem technischem Equipment, engagierten und solventen Eltern und einem Schulkonzept, das Lernen im digitalen Zeitalter ernst nimmt. Bei der anderen haben die Kinder und Jugendlichen schlechtere Ausgangsbedingungen: die Elternschaft ist eher nicht solvent, die Sorge vor Cyber-Mobbing sorgt für Handyverbote und die technische Ausstattung  – na ja …

Kinder haben ein Recht auf Bildung – auch auf die in Sachen Digitalisierung

Hey, die Kinder können nichts dafür. Sie brauchen alle dieselben Chancen, um mit den neuen und nicht mehr ganz so neuen Möglichkeiten umgehen zu lernen, die Chancen und Risiken kennen zu lernen. Ganz unabhängig übrigens davon, was der Arbeitsmarkt später von ihnen verlangen mag. Schule und Digitalisierung – das ist kein “nice to have”, sondern ein “must have”.

Schule und Digitalisierung Recherche Internet
Souveräner Umgang mit dem Internet gehört dazu

Die Diskussion rund um digitales Lernen, technische Ausstattung von Schulen, den Personalmangel und die Fähigkeit, digitale Dinge bewusst und kritisch zu nutzen ist inzwischen ewig lang – alle Medien machen sich da ihren Kopp, alle Bildungseinrichtungen sowieso.

Und was passiert?

Nix.

Gefühlt zumindest.

  • Ja, mir ist bewusst, dass neue Curriculae Zeit brauchen. Müssen es wirklich Jahre sein?
  • Ja, mir ist bewusst, dass Schulen und Bundesländer recht frei in Umsetzung und Auslegung sind. Muss wirklich jede Schule ein eigenes Süppchen kochen?
  • Ja, mir ist bewusst, dass die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer in den letzten Jahrzehnten gefühlt nur gestiegen sind. Müssen sie wirklich alles allein schultern? Wo sind Sozialarbeiter und Technikerinnen für die Schulen, um Aufgaben zu übernehmen, die nicht zum Unterrichten gehören?
  • Ja,mir ist bewusst, dass es zu wenig Menschen gibt, die an Schulen unterrichten. – Warum nur?

Auch hier auf Profi-Wissen habe ich mir gelegentlich Gedanken dazu gemacht, wie es in mit Schule  und Digitaliserung aussieht. Heiter stimmt mich das alles nicht.

Schule und Digitalsierung – da ist viel möglich

Ja, es gibt tolle Schulen, Leuchtturmprojekte, die zeigen, was möglich ist. Aber offensichtlich ist es unmöglich, solche Komzepte verbindlich zu machen, Lehrerinnen und Lehrer dafür fit zu machen, Begeisterung für die Möglichkeiten zu wecken, die in neuen Unterrichtskonzepten und den technischen Möglichkeiten stecken.

Einschulung1949 Schule und Digitalisierung
Auch heute freuen sich Kinder auf die Schule – sie lieben es, zu lernen. Das zeitgemäß und zukunftsorientiert anzubieten, ist in aller Interesse- dem der Kinder und der Gesellschaft. Foto: Manfred Heyde, Einschulung1949, CC BY-SA 3.0
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Laufe der Jahre einige Gedanken vorgelegt, was beim Themenkomplex Schule und Digitaliserung alles zu beachten ist, wie Ziele aussehen können. Es gibt verschiedene Instrumente in den einzelnen Bundesländern, um das Wissen rund um Digitalien bei Erwachsenen und Kindern zu fördern. (Medienpass in NRW, Medienbildung und Digitalisierung in Sachsen, Medienkonzepte in Bayern usw.)

Doch solange die Umsetzung vor allem am Engagement Einzelner hängt, Kollegien mit der Komplexität überfordert sind und deshalb dem Thema ausweichen und die jungen sowie die angehenden Lehrerinnen und Lehrer ihr Wissen rund um digitale Instrumente, Recherche und flipped classroom nicht ein- und umsetzen können, werden wir weiterhin die wichtigste Ressource unseres Landes verschwenden. Das hat mit Bildungsgerechtigkeit nichts zu tun.

Wo steht Deutschland in Hinblick auf Schule und Digitalisierung?

Deutschland liegt im Ranking für digitale Bildung nach wie vor im Mittelfeld hier ein Link zu der maßgeblichen Studie von 2013. Oft wird  dabei auf die veraltette Technik hingewiesen: zu alte Geräte, zu langsames Internet.

Die Methoden, das abzustellen, sind bekannt:

  • technische Ausstattung hochfahren- ggf. auch mit beschleunigten Ausschreibeverfahren
  • Personal für die Betreuung der technischen Ausstattung bereitstellen
  • verbindliche Fortbildungen für Lehrpersonen – sowohl in puncto der technischen Aspekte, die für den Alltagsgebrauch im Klassenraum benötigt werden, besonders aber inhaltlich

Eins haben diese Maßnahmen alle gemeinsam: Sie kosten Geld.

Ja.

Dieses Geld sollte in einem reichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland für die Bildung drin sein. Denn verschleuderte Ressourcen können wir uns nicht leisten. Weder in der Wirtschaft, noch in den Bereichen soziale Arbeit und Kultur – alle drei Bereiche zusammen ergeben erst eine funktionierende Gesellschaft, die demokratisch agieren kann. Wer an der Bildung – hier jetzt auch Digitalisierung an Schulen –  spart, setzt nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Zukunft des Landes aufs Spiel.

Mein Appell: Nehmen Sie in der Politik die Bildung mindestens so wichtig, wie Wirtschaft und Sicherheit – und nehmen Sie dafür richtig Geld in die Hand. Schichten Sie die Haushalte um, hin zu Zukunftsorientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne Bildung können Sie letztlich auch Wirtschaft und Sicherheit in der Pfeife rauchen – gut gebildete und ausgebildete Menschen sind für eine funktionierende Gesellschaft unerlässlich.

Eine umkommentierte Liste von Beiträgen zum Thema Digitalsierung und Schule:

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