Recherche in der Schule

Wenn Sie Kinder haben, kennen Sie vielleicht auch den Satz “Schaut mal, was ihr im Internet zu dem Thema findet.” Mir stellen sich da in der Regel die Haare hoch, denn ohne konkrete Anleitung kommen die meisten über “googeln” mit einem  oder zwei Suchbegriffen und Wikipedia nicht hinaus.

Im Texttreff war das auch gerade Thema. Eine Mutter hat ihrer Tochter dann mal eben demonstriert, wie schnell und leicht es ist, Inhalte ins Netz zu stellen – ist das dann nun wahr? So, wie manche aus dem Internet zitieren, könnte man das annehmen.

Wer schreibt, der bleibt

Das Problem ist nur: Alles, was geschrieben wird, ist von Menschen geschrieben. Ob online oder gedruckt. Und Menschen wissen nicht alles, können nicht alles wissen. So dass auch bei bestem Bemühen und redlichem Ansinnen Texte Fehler enthalten können.

Dann gibt es noch die, die schreiben, um etwas zu erreichen – in der Werbung, aber auch sonst: Politik, Wirtschaft, Forschung. Ihre Sicht der Dinge oder ihre Absicht beeinflusst das, was sie schreiben. Manchmal bis hin zur Unwahrheit.

Das gibt es nicht erst seit Internetzeiten. Auch als alle Publikationen noch Printmedien waren, galt es, mehrere Texte zu einem Bereich zu lesen, Meinungen abzuwägen, zusätzliche Informationen einzuholen, kurz Quellenkritik zu üben.

Warum sollten sich diese Prinzipien geändert haben?

Medienkompetenz

Medienkompetenz bedeutet eben nicht nur, dass man weiß, wie man googelt – und selbst das ist nicht sooo einfach, wie manche meinen (Sie werden mir zustimmen, wenn Sie schon mal unendlich viel Zeit damit verbracht haben, Informationen aus dem Netz zu holen und sich dabei verzettelt haben). Medienkompetenz bedeutet, einschätzen zu können, was Informationen wert sind: Dazu muss man Quellen beurteilen können, also wissen, wer schreibt da mit welcher Absicht?  Diese Anforderung hat sich mit Einführung des Internets nicht verändert. (Ich weiß, dass ich mich wiederhole – aber ich bin der Meinung, dass auf diesem Punkt nicht genug herumgeritten werden kann.)

Was ist das nun mit den Lehrerinnen und Lehrern? Sie haben doch in ihrem Studium Medienkompetenz benötigt und Quellenkritik angewendet. Und in aller Regel können sie in ihrem Unterricht das auch vermitteln. Wenn es um historische Quellen geht, zum Beispiel. Das war schon zu meiner Schulzeit so – als Ostinato im Geschichtsunterricht ;-).

Nun gibt es aber die “Neuen Medien”. Die Kinder wachsen damit auf und können sich die “Offline-Zeit” unserer Jugend nicht mehr vorstellen. Lehrerinnen  und Lehrer sollen diese neue Wirklichkeit im Unterricht berücksichtigen. An manchen Schulen gibt es Medienkunde als Fach in der Orientierungsphase. Die Kinder, die bereits zu Hause mit PC und Internet hantieren, sind von den dort zu vermittelnden Anfangskenntnissen oft gelangweilt. Andere kommen hier das erste Mal mit den Geräten in Kontakt – von den Möglichkeiten ganz zu schweigen und sind teilweise überfordert. Ein Spagat für die, die da vorne stehen und Medienkompetenz vermitteln sollen.

Situation der Lehrerinnen

Nein, ich will jetzt nicht auf die Lehrerinnen schimpfen. Ihre Aufgabe ist verflixt schwierig – sie sollen Defizite ausgleichen, völlig unterschiedliche Ausgangssituationen bei ihren Schülerinnen anpassen und sind doch selbst in Sachen Internet meist Autodidakten. Kompetenter Umgang mit dem Internet und seinen Möglichkeiten gehörte bei vielen von ihnen nicht zur Ausbildung. Sie nutzen es sicher selber in ihrem Studium – aber wie Schülerinnen an einen kritischen Umgang mit der Informationsfülle herangeführt werden sollen, gehört, wenn überhaupt, erst seit kurzer Zeit zu ihrer Ausbildung. Stichwort: Mediendidaktik. In der auslaufenden Lehramtprüfungsordnung von NRW findet sich unter §4 Erziehungsswissenschaftliche Studien in Absatz 5

Entwurf und Erprobung von Vorgehensweisen für pädagogisches Handeln
in Unterricht und Schule – einschließlich der Nutzung geeigneter
Hilfsmittel und Medien – vor dem Hintergrund erziehungswissenschaftlicher
Ansätze sowie Einschätzung ihrer Chancen und Grenzen,

auf die sich besagte erziehungswissenschaftliche Studien beziehen (sollen). Die Ausgestaltung der Studienordnung ist den einzelenn Hochschulen überlassen.

In der Studienordnung der PH Weingarten findet sich folgender Absatz (§ 3) – der einzige, der den Begriff  “Medienkompetenz” enthält:

Weitere Querschnittskompetenzen sind in der Vermittlung von Deutsch als Unterrichtssprache, in der Medienkompetenz und -erziehung, der Gesundheitserziehung, der Gendersensibilität, dem Führen einer Klasse, der Projektkompetenz und in der Fähigkeit zur Teamarbeit zu sehen.

Modernere Studienordnungen berücksichtigen sicher diese neuen Medien – aber oft geht es dann um die Studienfähigkeit der Lehramtsanwärter, wie  beim “Übergreifenden Studienbereich (ÜSB)” der PH Heidelberg; hier ist es besonders Modul 1, das in diese Richtung weist:

Die Angebote zur  Mediennutzung zielen sowohl auf die methodische und technische Befähigung der Studierenden als auch auf ihre kritische Reflexion des Medieneinsatzes. Anhand der Portfolioarbeit sollen die Studierenden zudem gleich zu Beginn lernen, ihren Lernprozess zu dokumentieren und zu reflektieren, um dieses Instrument wiederkehrend im Studium einsetzen zu können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Bibliothek und Didaktische Werkstätten als Orte selbstgesteuerter Lernprozesse kennenzulernen.

Aber sehen Sie den Haken? Es geht hier um die Medienkompetenz der Studenten, für ihre Ausbildung. Die Prüfungsordnung entspricht ansonsten – naturgemäß, da im selben Bundesland – der der PH Weingarten.

Die Studienordnung der Uni Erlangen sieht für Deutschlehrerinnen je ein Basis- und ein Vertiefungsmodul “Mediendidaktik” vor – das Gros der Veranstaltungen ist jedoch fachspezifisch: Linguistik, Mediävistik, Grammatik, Fachdidaktik Deutsch usw. Ob mit Mediendidaktik auch die “neuen Medien” erfasst sind, geht aus dem Dokument jetzt so nicht hervor – ich gehe mal davon aus, denn alles andere wäre bei einer Prüfungsordnung von 2009 unsinnig.

Da scheint noch einiges zu tun zu sein …

Weiterbildung für Lehrer und Lehrerinnen in Sachen Internetrecherche wäre da vielleicht mal ein Ansatz. Dann können sie den Kindern nämlich sagen, wo im Internet belastbare Informationen zu finden sind. Und wie man sie richtig sucht. Und sie können ihre Kenntnis von Quellenkritik auf Online-Dokumente anwenden und vermitteln.

Stell ich mir großartig vor.

PS: Das Internet mit seinen Angeboten hat auch einiges für Lehrerinnen zu bieten, die ihren Unterricht vorbereiten wollen.

5 comments on “Recherche in der Schule

  1. Genau aus diesem Grund gebe ich meinen Schülern “engere” Suchen vor, z.B. auf helles-koepfchen.de, planet-schule oder planet-wissen. Dazu bekommen gerade die Jüngeren Suchbegriffe, die ich vorher erfolgreich “getestet” habe. Mediendidaktik ist sicher noch ein weites Feld für viele Fortbildungen, um das, was wir uns zum großen Teil autodidaktisch angeeignet haben, zu sortieren und zu vertiefen.

    1. So seh ich das auch! Welche Fächer unterrichten Sie für welche Altersstufe? Ist ja auch interessant. Ich denke, dass es Unterschiede zwischen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern gibt.

      1. Das Internet setz ich schwerpunktmäßig für den Biologie-Unterricht in den Klassen 7-10 (Realschule) ein. Mein zweites Fach ist Deutsch. Hier beschränkt sich mein Einsatz im Unterricht z.Z. darauf, die Schüler an Antolin zu setzen, damit sie Fragen zu den Büchern beantworten, die die gelesen haben.

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