Ob ich noch Gedrucktes lese? – Blogparade

Das ist die Frage, die Mike Schnoor in seinem Blog stellt. Na ja, nicht gerade mir persönlich, aber als Blogparade. Und in der Tat – das tue ich! (ist hier an den Buchbesprechungen und Literaturtipps ja unschwer zu erkennen 😉 )

Ich gehe mal der Reihe nach die Publikationsarten durch, die da in Frage kommen:

Bücher

Schon im Vorlesealter meine große Leidenschaft. Blöd nur, dass ich meine Eltern damit vergrätzte, dass ich geliebte Texte auswendig kannte und bei Fehlern(!) direkt aufschrie … Übrig blieb meine arme Patentante – eine ausgesprochene Nicht-Leserin ihr Lebtag! – , die sich des Kindes erbarmte und vorlas, obwohl ich sie ständig unterbrach.

Als ich endlich leesen konnte, stolzierte ich mit Mutters Leseausweis bewaffnet in die Bücherei und versah mich mit Nachschub. Noch größer war die Genugtuung, als ich einen eigenen Ausweis bekam. Aus der Schule kommen und mich aufs Bett zum aktuellen Buch gesellen – tägliche Praxis. Zu bestimmten Büchern gehörten bestimmte Näschereien  – zum Beispiel bekam ich von einer Bekannten meiner Mutter das Buch Tokeah geschenkt, sehr oll, in Fraktur, also langwierig zu lesen und da ich beim ersten Kontakt mit der Scharteke Pfefferminzbonbons aß, gehörten die von nun an zu dieser Lektüre. Leberwurstbrot war die Begleitung zum Roten U von Matthiessen …

Fraktur zu lesen haben alte Menschen aus der Nachbarschaft mich gelehrt, als ich acht war. Wie? Sie schenkten mir ein Märchenbuch aus den 40ern. Als ich sagte, das könne ich nicht lesen, hielt mir der alte Mann die Tageszeitung unter die Nase und fragte: „Was steht da?“ Ich nannte den Namen der Zeitung. „Wenn Du das kannst, kannst Du auch das Buch lesen.“ Bumms, da hatte ichs. Also setzte ich mich dran und nahm mir mein Lieblingsmärchen vor – damals Schneewittchen – und versuchte, den bekannten Text in den fremden Buchstaben zu entdecken. Nach dreimaligen Durchgang hatte ich es geschafft. Holzhammermethode? Vielleicht. Aber wirksam; ich habe noch im Studium Kommilitoninnen erlebt, die mit der Schrift Probleme hatten.

Meine Eltern sorgten dafür, dass ich immer gute Kinderbücher geschenkt bekam – alle Bände Kästner zum Beispiel oder viel Astrid Lindgren. „Kalle Blomquist“ hat mich von meinem achten Lebensjahr bis ins Erwachsenenalter regelmäßig begleitet.  Mit zehn Jahren entdeckte ich Karl May – welche Wonne! Ich habe den gesamten Bestand der Leverkusener Bücherei gelesen – und das mehrfach. Mein Schnelllesen war mein großer Stolz – an einem Tag (schulfrei, Ferien,was weiß ich) konnte ich schon mal zwei Mays hintereinander lesen. Übrigens hatte ich dann schon als Teenager die Feststellung machen können, dass derselbe Titel unterschiedliche Texte enthalten konnte – spannend!

Ein bisschen später begann ich mich für Mutters Romane zu interessieren – teilweise mussten die schnell und unauffällig im Bettkasten verschwinden, wenn Muttern nahte …  Stefan Zweigs historische Biographien haben mich fasziniert, Rilkes Gedichte, die Romane von Pearl S. Buck, irgendwann kamen Fried und Kaléko dazu, einschließlich Auswendiglernen, immer wieder Kinder- und Jugendbücher, Krimis, historische Romane – endlos. Gut, dass es Bibliotheken gibt!

Und heute? Es gibt Phasen, da habe ich nicht die Muße, um „richtig“ zu lesen. Da greife ich zu lieben alten Bekannten im Regal und entspanne mich dabei, ihren Protagonistinnen und Helden auf längste bekannten Pfaden zu folgen. Im Gegensatz zu früher können mich heute Sachbücher – historische Darstellungen, Biographien, literarische Abhandlungen – sehr begeistern. Außerdem lese ich auch viel Theologsiches für mein Prädikantinnen-Dasein. Aber es geht nichts darüber, über einem Buch so richtig Zeit und Raum zu vergessen und erst mitten in der Nacht zum Ende zu kommen, weil das Buch ja leider auch schon zu Ende ist.

Das geht für mich nur mit gedruckten Werken – da kann ich die Position ändern, wie es gerade bequem ist, ich kann es in der Regel in der Tasche überall dabei haben, ja, sogar in die Küche nehme ich es mit, um zwischendurch immer noch ein paar Zeilen zu ergattern.

Zeitschriften

Auch Zeitschriften habe ich am liebsten direkt in der Hand. Ich liebe es, einen Artikel erst auf seine Bilder hin durchzuschauen (geo Epoche z. B.) und danach die richtige Lektüre zu beginnen. Ich mag es, dass Zeitschriften das Knicken oder Rollen nicht übel nehmen, das manchmal notwendig wird, wenn ich sie in eine bequemere Position zwingen muss. Gute Zeitschriften hebe ich auf – teilweise jahrelang und schaue auch schon noch mal rein – besonders gern beim Aufräumen, wo überlegt werden muss „Was kann denn nun weg?“ 😉 So kann man nette Aufgaben wie Aufräumen gut ausdehnen …

Ansonsten lese ich die Klatschblättchen tatsächlich nur in Wartezimmern – ich schwörs. Schade, dass ich da so selten hin muss.

Zeitungen

Unsere Tageszeitung liegt zuverlässig fast jeden Morgen im Briefkasten und ich bin die erste, die sich drüber hermacht – das gehört zum Morgenritual. Ebenso das Sudoku – das ist meins (interessiert die anderen nicht).

Wie es nun mit elektronsichen Publikationen aussieht? Also, ich schwöre nach wie vor auf Gedrucktes in allen Zusammenhängen – manche Texte aus dem Netz drucke ich mir aus, weil ich damit besser arbeiten kann, es bequemer und variabler finde. E-Book am Strand? Ich weiß nicht – was meint die Technik dazu? Nee, nee, so gern ich mich im Netz tummele – „richtige“ Lektüre geht bei mir über gedruckte Medien: Bücher, Zeitschriften, Zeitungen.

2 comments on “Ob ich noch Gedrucktes lese? – Blogparade

  1. Mamas heimlich gelesene Romane im Bettkasten verschwinden zu lassen – das hatte ich ja ganz vergessen, das habe ich auch gemacht! Wozu doch diese Bettkästen gut waren …

    Ich habe mich auch alleine durch die Frakturschrift gekämpft, nachdem mein Vater mir seine Kinderbücher vom Dachboden geholt hat. An Agnes Sappers „Die Familie Pfäffling“ habe ich es gelernt, nachdem ich mir die Buchstaben kurz habe erklären lassen. Nur das s habe ich immer wieder mit dem f verwechselt, ansonsten ging das bald ziemlich flott.

    1. Ich hatte bei dem „s“ immer das Gefühl zu lispeln …
      Da fällt mir ein – ich weiß gar nicht sicher, ob meine Kinder nun eigentlich Fraktur lesen können. Ich meine, ja. Muss ich nachher mal fragen.

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