Literaturrecherche graphisch, Teil 3: Local Citation Network

Während bei der explorativen Suche der SLUB eine Institution an der inhaltlichen und graphischen Umsetzung des Tools beteiligt ist, steht hinter dem Local Citation Network eine Einzelperson, nämlich Tim Wölfle.

Wie funktioniert das Local Citation Network?

Rufe ich die Startseite auf, sehe ich erst mal viel Weiß:

Screenshot Start Local Citation Network oben links Name oben rechts eine Reihe von Button - die Namen folgen im Text. in der Mitte "Click + to enter source DOI or scan a text file for DOI
So sieht die Startseite aus

Der erste Schritt ist jetzt einfach – einen DOI (Digital Object Identifier – also eine festgelegte Zeichenfolge für einen bestimmten Titel) mit Hilfe des Pluzeichens eingeben. Aber da sind ja noch weitere Informationen, recht oben:

  • Das Pluszeichen für einen neuen DOI
  • Die Option, aus einem Dokument DOI herauslesen
  • Alle Tabs schließen
  • Alle Ergebnisse lokal speichern
  • Die Quelle einstellen: CR steht für Crossref, OC für Open Citation
  • Die Möglichkeit, Tim Wölfle anzuschreiben
  • Die Möglichkeit, Tim Wölfles Twitter-Account zu besuchen

DOI einspeisen

Um überhaupt einen Graph erstellen zu können, brauche ich einen DOI – entweder, indem ich ihn eintippe oder indem ich ein vorhandenes Paper nehme und die App die darin enthaltenen DOI auslesen lasse.

Ich beginne mit dem Eintippen:

Screenshot "Enter DOI of new source Article" und darunter ein DOI und die Buttons Cancel und Done - der in Blau
Von hier geht es weiter

Klicke ich auf „Done“, bekomme ich die Meldung, dass eine Anfrage an Crossref oder Open Citation gegangen ist – je nachdem, was oben rechts eingestellt ist.

Das nächste Fenster sieht dann so aus:

Screenshot - Beschreibung folgt ausführlich im Text.
Man kann auch nur den Graph betrachten – mit dem Link „Fullscreen network“

Auf der linken Seite gibt es die Textelemente: Den vollständigen Titel oben. Darüber je nach Quelle – Sie wissen schon: Crossref oder Open Citations – zwei oder drei Reiter: „Input Articles“ und „Incoming suggsstions“ sind es bei Crossref. Beim ersten handelt es sich um die zitierten Paper im aktuellen Artikel. Die Incoming suggestions sind diejenigen, die am häufigsten zitiert wurden – also ebenfalls ältere Artikel als der von mir eingegebene. Tim Wölfle macht in seinem Erläuterungen darauf aufmerksam, dass hier Grundlagenbeiträge gefunden werden können (seminal papers).

Wenn ich Open Citation verwende, bekomme ich auch „Outgoing suggestions“ als Reiter angezeigt. Hier finden sich nun aktuellere Titel als der ursprüngliche, nämlich die, die ihn und andere aus dem Kontext zitieren.

Wo bleibt die Graphik beim Local Citation Network?

Sie bildet die rechte Hälfte des Fensters. In meinem Fall steht der eingegebene Artikel ganz oben und der Knoten dazu ist eckig – alle anderen sind rund. Jeder Knoten steht für einen Text – die neueren stehen oben, die älteren unten. Jede Farbe der Knoten steht für ein Jahr. Diese ursprüngliche Graphik gibt die Titel an, die „mein“ Paper zitiert hat. Doch von jedem Knoten aus kann ich weiter suchen, was denn da zitiert wurde – zu erkennen an den ausgegrauten Knoten, die erst farbig werden, wenn ich das jeweilige Paper anklicke, in dem sie zitiert werden. So kann ich mich durch die Referenzen hangeln. Spannend wird das dann unter dem Aspekt Literaturrecherche, wenn ich mit Hilfe von Open Citation auch zu den jüngeren Publikationen vorstoßen kann, die auf „mein“ Paper oder eine seiner Referenzen zurückgreifen.

Die Funktion der Knoten ist noch weiter differenziert: Dreieckige Knoten weisen auf Titel aus der Liste der Incoming suggestions hin. Das kann man auch oben erkennen:

Screenshot mit gelber Markierung für das Symbol Dreicke bei Incoming suggestions und das Quadrat für den "Source  article"
Hier werden ohne Worte Dreieck und auf der Spitze stehendes Quadrat „erläutert“

Co-Authorship network – noch eine Funktion beim Local Citation Network

Ist Open Citaion eingestellt, gibt es einen zweiten Graph – eben das Co-Authorship network. Hier wird angezeigt, welche Autor_innen im Rahmen der aufgeführten Titel miteinander gearbeitet haben.

Screenshot ein Dreiecke mit Textfeld, in dem die Namen der Co-Autor_innen genannt sind.
In meinem Beispiel war nicht viel Kooperation …

Tim Wölfle hat auch einen FAQ-Bereich, in dem er auf Englisch die Nutzung der einzelnen Angebote erläutert. Und auch die technischen Beschränkungen – gut verständlich und hilfreich.

Fazit

Der größte Charme des Local Citation Network liegt in seiner Datenarmut, was die Nutzer_innen betrifft: Aus dem Browser heraus kann ich die Ergebnisse direkt auf meinem Rechner speichern – das meint das „local“ im Namen. Es gibt keine Cookies und kein Tracking.

Die beiden Quellen, wie ich Crossref und Open Citation unzutreffenderweise nenne 😉, bedingen einige Einschränkungen; nicht alle DOI, die ich getestet habe, haben auch ein Ergebnis gezeitigt …

Auch das mit dem Einlesen aus PDF-Dokumenten hat bei mir nicht geklappt …

Ansonsten bietet das Local Citation Network ähnliche Möglichkeiten wie Connected Papers und der Citation Gecko. Das Ziel ist dabei eben nicht nur die Recherche nach spanenden Titeln, sondern auch die Beziehung von Artikeln untereinander. Deshalb sind alle diese Tools nicht für die grundständige Literaturrecherche sinnvoll, sondern als Ergänzung.

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