Literaturrecherche graphisch, Teil 1: SLUB, explorative Suche

Im September 2021 habe ich Connected Papers vorgestellt – mein erster Kontakt mit einem Tool zur Literaturrecherche mit graphischen Mitteln. Da gibt es aber noch mehr – und heute will ich Ihnen die explorative Suche der SLUB vorstellen.

SLUB – Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden

Hier gibt es die „explorative“ Suche und im dazugehörigen  Blogbeitrag ist davon die Rede, dass eine „spielerische Suche“ möglich sei („Bestände spielend erforschen“ heißt es genau). Nun, das ist schließlich die Bedeutung von „exploraiv“ – mal schauen, wie das funktioniert.

Meine Experimente mit dem Angebot fand ich anfangs etwas verwirrend – bis mir klar wurde, dass der Hinweis „auf große Bildschirme“ ausgerichtet, wirklich stimmt; erst mit meinem zweiten, größeren Bildschirm bekam ich alle Infos so, dass die Schriftgröße noch lesbar war …

Okay, wie funktioniert diese explorative Suche?

Vom Blogbeitrag aus, kann ich direkt in die explorative Suche gehen; einen Link aus der „normalen“ Suche heraus gibt es offensichtlich nicht (ich habe mit Hilfe einer freundlichen Mitarbeiterin im Chat danach gesucht).

So sieht das dann aus:

Screenshot explorative Suche ind er Mitte ein kreisförmiger Graph, mit Begriffen udn Verbindungslinien, an den Seiten weitere Informationen (folgen im Text des Beitrags, sind im Bild mit roten Linien krakelig markiert)
Ich hab da mal ein paar Sachen markiert

Ruft man die explorative Such so auf, wie oben angegeben, ist direkt ein Suchbegriff eingegeben – den muss man dann löschen und den eigenen eintragen.

Die einzelnen Bestandteile als kurze Auflistung:

  • Suchbegriffe/ Suchbegriffe links oben – als Text oder als Thema
  • Darunter: Graphdarstellung, zwei Modi
  • Darunter: Ähnliche Suchbegriffe
  • Darunter: Medientyp
  • In der Mitte der Graph mit den Begriffen
  • Darunter: Zeitstrahl zu Veröffentlichungen im Katalog dazu
  • Rechts oben: Titeldateien
  • Darunter: Top-Autoren und Beteiligte

Mit der Suche nach „Marketing“ als Text bekomme ich diesen Graph:

Screenshot explorative Suche kreisförmiger Graph mit Begriffen, im Außenbereich weitere begriffe, Auf dem Rand des KKreises rosa Markieren, die von links nach oben links breiter werden
Erläuterung folgt im Text …

Mein Begriff steht in der Mitte, rundrum gruppieren sich die ähnlichen Suchbegriffe. Je nachdem wie dick die Linien sind, desto mehr Titel gibt es, in denen beide Begriffe vorkommen. Das Rote am Außenkreis ist die Darstellung der Publikationen in einem Zeitraum – eigentlich sind es Kreise und jeder steht für ein Jahr. Außerhalb sind weitere Suchbegriffe angeordnet, die Themenerweiterungen oder -einschränkungen bieten. Da „Marketing“ sehr weit gefasst ist, sind es hier Unterkategorien wie „Politikmarketing“ oder „Stadtmarketing „usw.

Klicke ich einen davon an, wird dieser Begriff zum zentralen Begriff in der Mitte. Ich wechsele also meine Suche. Klicke ich dagegen auf einen der „ähnlichen Suchbegriffe“ innerhalb des Kreises – hier „Strategisches Marketing“ – gilt er als zweiter Begriff für die Suche und bekommt einen großen hellen Kreis. Da nun zwei Begriffe vorkommen müssen, schränkt sich die Anzahl der Treffer ein – die „Titeldateien“ sind nun weniger.

Feld
So sieht es mit zwei Begriffen oben links aus
Graph wie oben - nur wenige Begriffe in allen Bereichen.
Die Ergebnisse mit zwei Begriffen sind eindeutig weniger

Die Suchbegriffe können ja als Text oder als Thema angesehen werden – auch diese Unterscheidung bringt unterschiedliche Ergebnisse.

Es gibt unter dem Feld „Text/Thema“ den Link zum Katalog – hier finden Sie dann die Titel, die zur aktuellen Version des Graphen gehören  und können mit den Filtern des Katalogs Ihre Treffer eingrenzen.

Kritik an der explorativen Suche

Leider ist die Auflistung der Titeldateien rechts oben nicht wirklich befriedigend, wenn man dort noch mehr als 10 oder 20 hat – man muss scrollen und sieht erst mal nur Kurztitel und Schlagwörter, aber z. B. kein Veröffentlichungsdatum.

Die Elemente zu den Veröffentlichungsdaten – Kreise auf dem Rand und Balken unterhalb des Graphen – bieten leider keinen Link, genau diese Titel abzurufen. Stattdessen bekomme ich bei Klick auf die Jahreszahl – bitte genau zielen – einen völlig neue Graph. Offensichtlich bekomme ich da aber nicht die Titel aus diesem Jahr, sondern auch die, die sie zitieren – bei Klick auf 1993 waren in der Katalogansicht (s. Kritikpunkt zu Titeladateien) auch Titel von 2020 und 2021 dabei …

Die unterschiedlichen Farben der Kreise auf dem Rand, bei denen es um den Publikationszeitpunkt geht, werden leider auch nicht erläutert – es gibt sie von Rosa bis Lila. Mein Eindruck: Je älter desto lila … Könnte was mit den Zugriffsmöglichkeiten – digital usw. – zu tun haben.

Fazit

Spielerisch, ja – ich könnte hier sehr viel Zeit verbringen, um die verschiedenen Optionen auszuloten. Wer hier effizient recherchieren will, muss ein klares Konzept und eine ausgefeilte Suchbegriffstablle haben. Wenn ich mit einem eng umgrenzten Thema hier unterwegs bin, kann dieser Zufallscharakter natürlich auch spannende neue  Aspekte zutage fördern.

One comment on “Literaturrecherche graphisch, Teil 1: SLUB, explorative Suche

  1. Liebe Frau Baller,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Untersuchung unserer explorativen Suche. Wie Sie schon ganz richtig festgestellt haben, gibt es bei der explorativen Suche der SLUB noch einiges zu tun. Vielen der Dinge sind wir uns auch durchaus bewusst, aber es war leider im begrenzten Zeitraum unseres Projektes nur möglich einen Prototyp – als eine Art Machbarkeitsstudie – zu entwickeln. Diesen Prototyp wollten wir teilen und andere somit an der Idee und der ersten Umsetzung teilhaben lassen.
    Wenn wir diesen Ansatz weiterdenken, dann gehört zu einer produktiven Umsetzung noch vieles mehr dazu. Eine breitere Facettierung der Titeldaten, Filtermöglichkeiten und eine besser durchsuchbare Ergebnisliste sind nur ein paar der Dinge, die mir dazu spontan einfallen. Aber auch die technische Umsetzung muss noch einmal z.B. in Bezug auf die Verwendung mit mobilen Endgeräten oder auch die zeitliche Verzögerung evaluiert werden.

    Wie wir aber konkret diese Suche weiterentwickeln und wann sie in dieser – oder einer ähnlichen Form – Einzug in unseren Katalog hält, ist noch nicht entschieden. Hier bleibt es also spannend 😉

    Viele Grüße aus der SLUB Dresden,
    Tom Schilling

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