Literaturlexikon online – Figurenlexika!

Zugegeben – ich hab diese Figurenlexika über eine Suche nach Dorothy L. Sayers gefunden … Aber auch für Menschen, die sich mit germanistisch relevanten Autor_innen befassen, bietet das Literaturlexikon online einiges.

Wer betreibt dieses Lexikon?

Es sind Gemanist_innen der Universität des Saarlandes. Auch wenn die Vorworte von 2009 und 2011 den Eindruck erwecken, da passiere nichts mehr, gibt es immer wieder neue Einträge in der Rubrik Collectanea. Hier finden sich z. B. Lexika zu den Romanen von Dörte Hansen, die im April 2020 eingestellt wurden.

Was bieten Figurenlexika?

Das hab ich natürlich als erstes bei Sayers getestet. Für Frederick Arbuthnot gibt es da einen Eintrag:

Arbuthnot, the Honourable Frederick (Freddy)

Freund von Lord Peter Wimsey, blasiert und oberflächlich, der Geschäfte an der Börse macht.

http://literaturlexikon.uni-saarland.de/index.php?id=4371

unter dem seine Auftritte in den Romanen um Lord Peter Wimsey erwähnt werden, mit kurzer Beschreibung der Umstände und seiner Person (bei Gaudy Night/Aufruhr in Oxford heißt es: „Er ist jetzt in den Vierzigern, wird etwas kahl, hat einen Schnurrbart und ein nichtssagendes Gesicht.“). Passenden Zitate dazu gibts auf Deutsch und auf Englisch. Wie es sich für Lexika gehört, sind sie untereinander verlinkt: Von Victor Dean komme ich zu Dian de Momery oder Talboys.

Dorothy L. Sayers – das ist jetzt eine überschaubare Aufgabe. Aber wie sieht es bei Thomas Manns Riesenepos „Joseph und seine Brüder“ aus?

Lexikon zu Thomas Manns Romanzyklus „Joseph und seine Brüder“

Insgesamt neun Jahre gingen ins Land, bis dieses Lexikon fertig war. Es bietet eben nicht nur Hinweise zu Figuren, wie bei Sayers, sondern auch Hintergründe. Und das nicht nur zu Figuren, sondern auch zu Orten und Gegenständen. Es gibt ein Namenregister – entspricht den Figurenlexika -, ein Orts- und Sachregister und ein Gesamtregister. Das ist seeeeehr umfangreich!

Die Autorin des Lexikons zu den Joseph-Büchern und Initiatorin/Leiterin des Gesamtprojekts, schließt ihr Vorwort zu diesem Teilstück auf das allercharmanteste:

Sollte dieses Lexikon neben Orientierung und Information auch einen geschärften Blick für die komischen und (selbst-) ironischen Brechungen dieser »verschämte[n] Menschheitsdichtung« (Th. Mann) vermitteln können, wäre das Vergnügen, das Unterzeichnete bei seiner Erarbeitung hatte, nicht nur auf ihrer Seite.

Saarbrücken, den 28. Mai 2018                           Anke-Marie Lohmeier

http://literaturlexikon.uni-saarland.de/index.php?id=14
Unterschrift Thomas Mann
In dem Stil hätte Thomas Mann so was auch geschrieben – da bin ich mir sicher.

Die Einträge zu einzelnen Figuren bieten neben den Szenen, in denen sie vorkommen, auch eine Einordnung ins Gesamtgeflecht des Romans. Bei Namen aus der Mythologie gibt Anke-Marie Lohmeier immer auch an, aus welchen Quellen Thomas Mann geschöpft hat.

Welche Autor_innen werden berücksichtigt?

Es ist eine überschaubare Liste mit knapp 25 Namen – neben viel „Kanon“ (Thomas und Heinrich Mann, Theodor Fontane, E. T. A: Hoffmann, Döblin, Büchner, Joseph Roth, Storm und Tolstoi) eben auch Sayers, Daniel Kehlmann, Walter Kempowski und Dörte Hansen.

Wer sich über die Firguren zu einem der Romane der Autor_innen aus der Liste schlau machen will, kann durchaus spannende Informationen bekommen.

Ich hab da wirklich Freude dran.

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