Interview mit Carmen Winter

Wollten Sie auch immer schon wissen, was Schriftsteller so machen, damit sie an Informationen für ihre Geschichten kommen? Bitte sehr: Carmen Winter zeigt uns ihr Handwerkszeug:

Carmen Winter

Was machen Sie beruflich?

– Ich bin Schriftstellerin und unterrichte kreatives Schreiben für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen Zusammenhängen und Zeiträumen.

Welcher Art war die Ausbildung zu Ihrem Beruf? (Studium, Lehre, was Kombiniertes, Quereinstieg)

– Ich habe schon mit 12 Jahren angefangen zu schreiben und war in einem Zirkel schreibender Schüler, später in der Nachwuchsgruppe des Schriftstellerverbandes im Bezirk Frankfurt (Oder). Mein Berufswunsch hat sich, als ich etwa 16 war, von Ärztin auf Museumspädagogin geändert. Studiert habe ich dann Germanistik, allerdings nicht mit dem Ziel, Schriftstellerin zu werden. Während des Studiums hatte ich nur sehr vage Vorstellungen darüber, was ich arbeiten wollte. Ich wollte nicht an der Uni bleiben und ich wollte nicht gleich als Lektorin in einem Verlag arbeiten. Ich habe dann angefangen in einem Bezirksliteraturzentrum zu arbeiten und mich mit dem regionalen literarischen Erbe beschäftigt.

Welche Kenntnisse und Erfahrungen benötigen Sie für Ihre Tätigkeit?

– Natürlich ist die Ausbildung in Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Sprach- und Literaturgeschichte hilfreich. Aber auch das wissenschaftliche Arbeiten, das Vermögen, einzuschätzen, ob eine Information relevant ist, ist sehr hilfreich. Ich schreibe nicht nur fiktional sondern auch Sachtexte, dafür muss ich recherchieren. Aber auch für fiktionale Texte muss man als Schriftstellerin immer wieder recherchieren. Wenn ich Unterricht gebe, muss ich mich auch immer wieder über neue Erkenntnisse informieren. Und selbstverständlich ist mein Leben eine wichtige Quelle für mein Schreiben, ebenso wie das, was ich mit meinen Mitmenschen mit-er-leben darf.

Wie sieht Ihre Weiterbildungsstrategie aus?

– Manches lerne ich im Selbststudium. Zum Beispiel habe ich mir die Arbeit mit dem PC selbst beigebracht nach dem Prinzip „learning by doing“. Schreiben ist eine Übungsfrage, ich versuche also täglich zu schreiben und ich gucke mir bei Kollegen was ab, wenn ich lese. Ich besuche etwa einmal im Jahr die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, die spezielle Angebote für Autoren hat. Fremdsprachenkurse belege ich auch hin und wieder, um nicht einzurosten. Einmal im Jahr trifft sich der Segeberger Kreis, ein Zusammenschluss von Schreiblehrern, auch diese Treffen sind für mich eine Form von Weiterbildung.

Müssen Sie für die alltägliche Arbeit oder für grundsätzlich für Ihr Know-How regelmäßig aktuelle Informationen besorgen?

– Ja. Tageszeitung, Nachrichtensendungen, das Internet, Museumsbesuche, Filme – alles, was ich tue und erlebe kann für einen Text wichtig sein. Natürlich bin ich meist auf das Thema fokussiert, an dem ich gerade arbeite.

Gehörte die Vermittlung von Suchmethoden zu Ihrer Ausbildung?

– Ja, wir haben als Abschluss des fünfjährigen Studiums eine Diplomarbeit geschrieben. Dazu gehörte bei mir auch Archivarbeit, Interview, Arbeit in der Bibliothek. Das Internet gab es damals noch nicht.

Wo sind Ihre Anlaufstellen, wenn Sie etwas suchen? (Kolleginnen, Bücher, öffentliche Stellen, Fachzeitschriften, Internet oder noch was anderes)

– Ja, all das und Archive und Bibliotheken.

Wenn Sie im Internet suchen: Welche Mittel nutzen Sie? (Suchmaschinen, (Fach)Foren, Wikipedia, (Fach)Datenbanken, Bibliotheksangebote)

– Zuallererst Suchmaschinen und die Angebote, die mit Büchern zu tun haben. Anbieter von Büchern, auch Antiquariate. Ich schätze die Möglichkeit, schon mal einen Blick ins Buch werfen zu können und so abschätzen zu können, ob es sinnvoll ist, es zu kaufen oder über Fernleihe zu bestellen. Wikipedia mit den Verweisen ist für mich auch sehr wichtig. Ich bin froh, Recherche noch ohne Internet kennen gelernt zu haben. Ich glaube, dass es mir dadurch leichter fällt, wichtige und unwichtige Informationen voneinander zu unterscheiden und zuverlässige Quellen zu identifizieren.

Hat sich Ihre Form der Informationsbeschaffung in den letzten Jahren geändert? Wenn ja, wie und warum?

– Ja, vor allem durch das Internet. Auch eine Anfrage in einem Archiv ist per E-Mail leichter und schneller machbar. Man spart sich manchen Weg.

Ist das Internet für Sie eine hilfreiche Einrichtung?

– Ja.

Gibt es zu Ihrem Bereich viele Informationsmöglichkeiten im Netz?

– Ja, sehr viele. Sowohl zu den Themen, die ich bearbeite, als auch zu beruflichen Fragen als Freiberuflerin.

Haben Sie eine Suchstrategie entwickelt, die Sie verlässlich zu den benötigten Quellen führt?

– Ich glaube, im Internet überlasse ich da vieles dem Zufall, hangele mich manchmal von einer Fundstelle zur nächsten. Aber ich habe schon bestimmte Quellen, wie worldcat ober die Seiten von Archiven. Wenn ich nicht weiterkomme, frage ich Kolleginnen.

Haben Sie mal bei einer Recherche ein besonderes Highlight erlebt?

– Im Archiv eine Akte zu bekommen und darin genau das zu finden, was man für ein Buch braucht, das ist ein tolles Erlebnis. Schön war auch, von dem Autor eines englischen Wikipedia-Artikels E-Mails zu bekommen und sich mit ihm über ein sehr spezielles Thema austauschen zu können.

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