Google Scholar – die Möglichkeiten

Kaum zu glauben, aber ich habe tatsächlich noch keinen eigenen Beitrag zu Google Scholar hier drin. Das muss ich jetzt nachholen. Schließlich erwähne ich dieses Tool immer wieder, meist kritisch. Beginnen werde ich allgemein und positiv. Aaalso:

1. Was ist Google Scholar genau?

Bei diesem Angebot aus dem Hause Alphabet/Google handelt es sich um eine Spezialsuchmaschine. „Spezial“ aus zwei Gründen:

  1. sie hat einen inhaltlichen Schwerpunkt – wissenschaftliche Literatur
  2. sie nutzt externe Informationen – Hybridsuchmaschine

1.1. inhaltlicher Schwepunkt

Suchmaschinen crawlen durchs WWW und füttern ihren Index mit Begriffen und den URL, auf denen sie zu finden sind. Das Ranking bei der Trefferliste wird von Algorithmen bestimmt. Bei Google Scholar werden schon die aufzusuchenden Seiten per Algortithmus bestimmt. Es müssen Seiten mit wissenschaftlichem Background sein:

  • Hochschulen
  • Forschungseinrichtungen
  • Bildungsinstitutionen

Sie kennen vielleicht die Topleveldomain .edu – sie ist so ein Hinweis auf die richtigen Quellen. In Deutschland ist sie eher ungebräuchlich. Dafür haben unsere Hochschulen oft eine URL mit „uni“, „th“ oder „fh“ drin.

Nun haben auch Webistes mit solchen URL noch andere Inhalte als wissenschaftliche Publikationen; es sind schließlich große Institutionen. Da greift nun ein weiterer Teil des Algorithmus: das Format der Texte. Google Scholar „erkennt“ Strukturen in Texten. Z. B. gehört zu einem wissenschaftlichen Text ein Literaturverzeichnis am Ende. Entdeckt die Suchmaschine das, wird der Beitrag mit ausgewertet. Auch ein Abstract am Anfang ist ein solches Kriterium. Mit diesen beiden – und natürlich einigen anderen – Algorithmen liest Google Scholar öffentlich zur Verfügung stehende wissenschaftliche Literatur aus und packt sie in den Index, so dass wir sie finden können.

Bevor jetzt jemand sagt: „Aber …“ – ja, die Algorithmen sind bei weitem komplexer. Aber für den Kontext hier reichen in meinen Augen diese beiden Angaben.

1.2. Hybridsuchmaschine

Hier kommen zwei verschiedene Quellenarten zusammen. „Hybrid“ ist so eine Bezeichnung, die das andeutet, sei es in der Biologie (Hybride) oder in der Fahrzeugtechnik (Hybridmotor) . Bei der Suchmaschine geht es um zwei unterschiedliche Arten von Informationen:

  • die öffentlich zugänglichen aus dem WWW
  • gekaufte Informationen von Wissenschaftsverlagen

Wie das mit dem WWW geht, habe ich oben ja schon erläutert. Zusätzlich existieren Absprachen mit wissenschaftlichen Verlagen, die ihre Publikationsdaten zur Verfügung stellen. Deshalb ist Google Scholar so unfassbar schnell.

Aber deshalb stehen Sie beim Klick auf den Link „PDF“ auch oft vor der Bezahlschranke.

2. Welche Optionen bietet Google Scholar?

Eine ganze Reihe:

  1. Filter auf der linken Seite
  2. eine erweiterte Suche mit Tpps für spezielle Fragemöglichkeiten für wissenschaftliche Literatur
Screenshot linke Spalte Google Scholar mit den Filtermöglichkeiten Zeit, Relevanz, Sprache usw.
So sieht die linke Spalte bei Google Scholar aus.

2.1. Filter nutzen

Der oberste Filter ist der für Zeit und analog zu der Variante bei Google selber können Sie hier Zeiträume von einem Datum bis zur Gegenwart einrichten oder einen selbst gewählten Zeitraum auswählen.

Dann haben Sie die Möglichkeit „Nach Relevanz“ oder „Nach Datum“ zu sortieren. „Relevanz“ ist die Grundeinstellung. Bei „Datum“ bekommen Sie die jüngsten Titel zuerst angezeigt.

Die Option „beliebige Sprache“ ist die Grundeinstellung – das ist auch sinnvoll, denn das Gros der wissenschaftlichen Literatur wird auf Englisch publiziert. Bei manchem Thema kann auch die Beschränkung auf Deutsch sinnvoll sein.

Signal für Zitate bei Google Scholar
Signal für Zitate bei Google Scholar

Es gibt Bereiche, in denen Patente wichtig sind – sollte das bei Ihnen so sein, können Sie den Haken lassen. Wenn es zu Ihrem Bereich so gut wie nichts in der Hinsicht gibt, ist es auch egal, ob Sie ihn da belassen. Sollten Sie ausdrücklich keine Patente wünschen in einem Fachbereich, in dem es viele gibt, reduzieren Sie die Treffermenge, wenn Sie den Haken löschen.

„Zitate“ heiß in diesem Fall, dass Sie Treffer bekommen, denen diese Markierung vorangestellt wird:

Es handelt sich nicht um Titel, die Ihr Thema direkt betreffen, sondern die zitiert wurden – hier liegt dann kein Link vor, den Sie nur näheren Ansicht heranziehen können.

Einen Alert zu erstellen, kann Rechercheaufwand verringern, indem Sie damit eine Suche verstetigen. Wenn Sie mit Ihrem Google-Konto angemeldet sind, geht das sehr schnell.

2.2. Erweiterte Suche

Den Zugang zur erweiterten Suche finden Sie oben links neben dem Logo von Google Scholar hinter den drei Strichen. Und so sieht sie aus:

Erweiterte Suche bei Google scholar
Das Suchfenster legt sich über die Seite

Wenn Sie in meinem Blog schon etwas gestöbert haben, werden Ihnen die Optionen bekannt vorkommen – sie entsprechen den Befehlen und Operatoren, mit denen Sie bei Suchmaschinen Ihre Suche präzisieren können.

  • „mit allen Wörter“ = AND
  • „mit der genauen Wortgruppe“ = Phrasensuche
  • „mit irgendeinem dieser Wörter“ = OR
  • „ohne die Wörter“ = NOT
  • „im Titel“ = intitle

Die Suche nach Autorin, Zeitschrift oder Zeitraum ist dagegen spezifisch für Google Scholar.

Fazit

Google Scholar bietet also eine Menge an Informationen. Wenn Sie als Studierende einer Hochschule aus dem Netz der Hochschule heraus und eingeloggt mit Ihren Bibliothekszugangsdaten recherchieren, haben Sie auf mehr Publikationen Zugriff als ohne diese Berechtigungen. Hier greifen die Lizenzen Ihrer Hochschule/Bibliothek, die sie bei den Verlagen für bestimmte Zeitschriften erworben haben.

Für einen ersten Überblick ist Google Scholar auf jeden Fall eine gute Wahl. Warum Sie sich darauf allein nicht verlassen sollten, erläutere ich dann im nächsten Beitrag.

Auch dieser Artikel gehört in meine kleine Reihe über die Google-Angebote.

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