Georgette Heyer

Kennen Sie nicht? Sicher? Gut, wenn Sie nicht auf historische Sachen stehen, kann das sein. Georgette Heyer hatte zu Dutzenden Romane geschrieben, deren Handlungszeitraum deutlich vor ihrer und auch vor unserer Zeit liegt – Rokoko und Regency. Thema? In der Regel die Verwicklungen der Liebe. Mit Ironie und Humor schildert sie die Erlebnisse junger Damen und Herren der gehobenen Gesellschaft Englands zwischen 1750 und 1820. Benimm und Mode spielen eine große Rolle, Missverständnisse und Verkleidungen sorgen für Spannung. Das eine oder andere Mal kommen Krimi-Elemente dazu – (Georgette Heyer hat übrigens auch zeigenössische Kriminalromane geschrieben, die uns heute aber auch schon historisch erscheinen, da sie in den 20ern des 20. Jahrhunderts spielen). Eine gewissen Kitsch-Toleranz sollte vorhanden sein, wenn Sie sich an ihre Bücher “wagen” ;-).

Ich habe mit den Romanen der Heyer angefangen, als ich gerade ganz frisch Mutter war. Alles Harte, Grausame (ich bin eigentlich Krimi-Leserin!) konnte ich nicht ertragen. Für “richtige” Schmonzetten fehlt mir aber das romantische Gen – da kamen diese leicht geschriebenen, selbstironisch getönten Liebesgeschichten gerade recht. Und wissen Sie was? Auch nach dem Abstillen lese ich die noch gern, so ab und an 😉 .

Georgette Heyer hat, nach Äußerungen ihres Mannes, diese leicht hingeworfenen Geschichtchen selber nicht so enst genommen. Ihr Ziel war es, einen fundierten historischen Roman zu schreiben – über den ersten Teil ist sie nicht hinausgekommen. Kurz nach Beendigung des Manuskripts ist sie gestorben. Ich habe ja den Verdacht, dass sich dieses “Nicht-ernst-Nehmen” positiv auf den Stil ausgewirkt hat. Vor allem, weil ich die wenigen “historischen” unter ihren Romanen (Barbara und die Schlacht von Waterloo, Königliche Abenteuer, Die spanische Braut, Der Eroberer), also die, bei denen es um reale Ereigisse um Waterloo oder Heinich den Eroberer geht, bei weitem nicht als so flüssig zu lesen empfinde – als bremse die Verpflichtung zu historischer Genauigkeit ihre Figuren im Handeln und Reden.

Meine Favoriten? “Falsches Spiel”, “Die Brautjagd”, “Der schwarze Falter”, “Die widerspenstige Witwe”, “Der schweigsame Gentleman” (die weibliche Hauptfigur heißt Drusilla!!!), “Liebe unverzollt”, “Lord Ajax” oder “Der Ehevertrag”. Aber auch die anderen Titel sind wirklich nette Lektüre für Zeiten, in denen Kopf und Sinn für schwere Kost nicht zugänglich sind.

Ein ziemlich vollständige Liste ihrer Titel gibt es bei Tante Wiki. Die englische Wikipedia-Seite ist naturgemäß viel ausführlicher.

Wie Sie vielleicht gemerkt haben, bin ich mit meinen Empfehlungen für leicht und locker zu lesende Büchern, bzw. Autorinnen zeitlich immer weiter zurückgegangen – von einer Neuerscheinung aus diesem Jahr bis zu einer Autorin, die in den 20ern anfing zu schreiben. Das Verbindende ist, dass ich alle vier Autorinnen gern lese. Außerdem sehe ich es so, dass allen die leichte Hand der liebevolle Ironie gegeben ist (oder die sie sich erarbeitet haben – was weiß denn ich).

Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß an den vorgestellten Schriftstellerinnen und haben vielleicht sogar das eine oder andere passende Buch für sich gefunden. Ab nächsten Monat werde ich hier dann wieder seriös – Thomas Manns “Joseph und seine Brüder” steht auf der Liste.

Rezensionen ab Mai 2013 erscheinen in meinem Literaturblog Kölner-Leselust.de.

2 thoughts on “Georgette Heyer”

  1. Leider sind die Bücher bis auf eins nicht mehr lieferbar. Sie sind für mich die ideale Lektüre, wenn ich krank im Bett liege. Georgette Heyer hat einen Stil, der an Jane Austen erinnert, aber ihre Heldinnen sind frecher. Natürlich geht es immer nur darum, wer welchen Ehemann bekommt, aber die Dialoge sind einfach köstlich. Ich liebe besonders die Beschreibungen der Kleidung der Herren, den “Wasserfall-Kragen” oder andere. Beau Brummell hat zu seiner Zeit die Mode diktiert, vor allem die vielen verschieden Arten, eine Krawatte zu binden und das beschreibt G.Heyer mit viel Genuss.

    1. Ich habe die auch alle antiquarisch erworben … Dabei mag ich die alten Umschlagillustrationen auch sehr gern – da waren bis in die 70er oder so immer die gleichen tätig, als Zeichnerin und als Übersetzerin.

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