Digitalisierte Dokumente für Ahnenforscher

Ahnenforschung ist ein beliebtes Hobby für viele Menschen. Das habe ich bei der Radiosendung „Lebensart“ letzte Woche erlebt. Ein Hilfsmittel unter anderen ist die Digitalisierung verschiedener Dokumente, v. a. amtlicher Art. Adress- und Kirchenbücher im Internet erlauben eingehende Suchen vom heimischen Schreibtisch aus. Viele Gemeinde (kommunale wie kirchliche) stellen diese Daten zur Verfügung. Die Digibib beim Genealogienetz gibt darüber einen guten Überblick: Heraldik, Adressbücher, Kirchenbücher, Ortslexika und Chroniken werden aufgelistet. Hinzu kommen ältere Bücher zum Thema „Genealogie“ oder historische Werke, die das Verständnis für die alten Zeiten wecken können, z. B. zu militärischen Themen.

Hier folgen ein paar Beispiele aus den verschiedenen Bereichen.

Adressbücher

Das Adressbuch von Lübeck von 1873 mit den Einträgen zur Familie Mann – Mengstraße 2, dort war das Comtoir des Vaters von Heinrich und Thomas Mann.

Eine wirklich bekannte Adresse aus dem Lübecker Adressbuch von 1873

Es gibt Adressbücher aus verschiedenen Städten und Zeiten – schauen Sie nach, ob für Ihre Familie Relevantes dabei ist (ich habe zwei Adressbücher aus der Stadt meines Urgroßvaters gefunden und kann nun seinen Wohnungwechsel infolge seiner Frühpensionierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachvollziehen).

Tagebücher

Als Beispiel für Tagebücher und andere z. T. handschriftliche Dokumente: Mathias Löhrers (*1800) Tagebuch aus Köln  ist nicht nur digitalisiert, sondern auch transkribiert worden, so dass es auch für Ungebübte im Entziffern alter Schriften der Text zugänglich ist; hier z. B. zur Verhaftung des Erzbischofs von Köln im Jahr 1830:

Tagebuchseite mit Transkription

Staatshandbücher

Wer heut wissen will, wer welches Amt bekleidet, greift zum „Kleinen Oeckl“ – in Bremen und anderen Städten gab es schon früher Staatshandbücher:

So eine Art Kleiner Oeckl für Bremen aus dem Jahr 1926 – Staatshandbuch

Hier können Sie also finden, welche Institutionen mit welcher Person besetzt wurden – wenn man das über ein paar Jahre verfolgen kann, ergibt sich ein Bild der Karriere der Einzelnen.

Zeitgenössische Handbücher

Welcher militärische Rang berechtigt zu welchen Abzeichen? Um beispielsweise Bilder von Militärs aus der Familie richtig einordnen zu können, bedarf es dieser Kenntnisse – ein zeitgenössisches Buch verspricht Hilfe:

Informationen über militärische Rangabzeichen gibt „Des Soldatenfreundes Instructionsbuch für den Infanteristen“ von 1872

Nachschlagewerke zu kirchlichen Belangen (Kirchenbücher und Pfarr- oder Bistumsgeschichteswerke)

Die Geschichte eines Bistums in vielen Einzelheiten bietet „Franconia Sacra, Geschichte und Beschreibung des Bistums Würzburg“ – der folgende Abschnitt stammt aus dem Band „Das Landkapitel Lengberg, Erste Abteilung“ von 1896. Das Werk gibt Aufschluss über die Besetzung einzelner Stellen und die sonstigen Bedingungen, z. B. Topographie oder auch das Schulgeld:

Der Eintrag zur Pfarrei Hemstadt im Bistum Würzburg beginnt mit Topographie und Statistik

Weitere digitalisierte Bücher befassen sich mit Erziehung und Unterricht, erläutern die Wappen des Adels oder zeigen historische Landkarten.
Die Bereitstellung aller dieser Daten erfolgt für die Nutzer kostenlos; es sind viele freiwillige Helfer damit beschäftigt, diese Digitalisierungen für Ahnenforscher zu vervollständigen – das können Sie auch daran sehen, dass bei manchen dieser Dokumente „unvollständig“ oder „Korrekturphase“ darunter steht. Auch hier gilt also: Immer mal wieder vorbeischauen kann sich lohnen, denn Digitalisierung dauert.

Übrigens werden gerade bei diesem Teil des Angebots immer wieder Korrekturleser gesucht … Interesse?

Ich bin hier jetzt nur auf die Digibib von Genwiki eingegangen. Der Fundus ist hier sehr groß. Wenn das, was Sie suchen, nicht darunter ist, bekommen Sie aber bestimmt eine Anregung, wie Sie wonach suchen können – entweder, indem Sie in den entsprechenden Foren Fragen stellen oder indem Sie bei Komunen, Gemeinde u. Ä. gezielt nach Dokumenten fragen.

2 comments on “Digitalisierte Dokumente für Ahnenforscher

  1. Hallo Recherche-Meisterin,
    danke für den tollen blog über die DigiBib. Im GenWiki sind außerdem über 2.300 Online-Adressbücher aus diversen Digitalen Bibliotheken verzeichnet.

    Damit es nochmehr werden, hilft es, Bibliotheken und Archive (per email) zu bitten, die vorhandenen Adressbücher zu digitalisieren und im Internet zur Verfügung zustellen.

    1. Hallo Andreas Job,
      dass da (Digibib/Genwiki) viel viel mehr Sachen drin sind, als ich aufzählen kann, ist ja klar. Ich habe versucht, mit möglichst konkreetn Beispielen Lust und Neugier auf dieses großartige Angebot zu wecken.
      Danke für den Hinweis in Hinblick auf die Bibliotheken/Archive. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, wie hoch das auf deren Prioritätenliste steht – denn Digitalisieren kostet Zeit. Aber je mehr Menschen davon wissen …
      Herzliche Grüße

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