Diggi 17 – Education und Work & Play

Die Veranstaltungen zu „Brain“, die ich auf der Diggi 17 besucht habe, habe ich ja schon geschildert – jetzt also was zu den beiden anderen Themenbereichen.

“work & play“ auf der Diggi 17 – Jutta Rump

Zu „Work & Play“ habe ich tatsächlich nur einen einzigen Termin wahrgenommen – die Keynote von Prof. Dr. Jutta Rump. Wieder kann ich nur sagen: Was für ein Vortrag! Engagiert, lebendig, humorvoll und zeitweilig sehr persönlich. Thema war Arbeit 4.0 und bei den Wörtern „Wertschöpfungskette“ und „Kompetenzanforderung“ wusste ich erst mal nicht, ob ich da so richtig abgegeben bin. Und dann dieser Lebenslauf – so voll, dass es bei mir für zwei bis drei Leben reichen würde.

Jutta Rump bei der Diggi17
Prof. Dr. Jutta Rump in action – Foto: Peter Bösenberg (ergänzt am 12.10.2017)

Worum ging es nun tatsächlich? Ich habe für mich ein paar Schwerpunkte rausgezogen:

Als erstes: Jutta Rump sprach wider die Monokausalität. Das ist mir per se schon mal sehr sympathisch, denn ich glaube auch nicht daran, dass immer nur eine Ursache bei Entwicklungen ausschlaggebend ist. So gebe es auf verschiedenen Ebenen des Arbeitslebens und in der Gesellschaft derzeit eine Fülle an Trends, wo sich was ändert. Doch es wird immer nur ein Trend für ca. zwei bis drei Jahre gehypt und alle starren nur dorthin. Doch die verschiedenen Eben griffen ineinander und trieben so die Entwicklung voran (ich nenn jetzt mal für jeden Bereich ein Beispiel):

  • gesellschaftlich – das neue Kommunikationsverhalten,
  • auf der persönlichen Ebene – der Gedanke der Work-Life-Balance und
  • im Arbeitsleben die Digitalisierung – das ist gerade der aktuelle Hype

Innovationsdruck, Globalisierung und Wertewandel kommen nicht hübsch ordentlich hintereinander,  sondern gleichzeitig. Das im Blick zu haben, ist sowohl für Unternehmen als auch für die Ausbildung an Schulen und Hochschulen wichtig. Auch der Fachkräftemangel, der  gerade beklagt wird, hat mehrere „Eltern“ – den Generationenwandel allein verantwortlich zu machen, greift zu kurz.

Als zweites: Die eierlegende Wollmilchsau als Ideal sowohl für Angestellte wie für Führungskräfte ist inzwischen weit verbreitet. Es werden nicht nur Sach- und Fachkenntnis gefordert – die „Soft Skills“ sind gerade bei Führungskräften ein wichtiger Bestandteil eben ihrer Führungsfunktion. Jutta Rump erzählte in dem Zusammenhang von ihren Erfahrungen: Soft Skills sind nicht so ihrs, hat sie feststellen müssen. Was tun? Sie werden ja benötigt. Partizipative Führung heißt ihr Lösungsansatz – sie hat jemanden im Team mit genau den ergänzenden Fähigkeiten zu ihren eigenen. Ihre Überzeugung: Es geht nur gemeinsam. Partizipative Führung ist ihrer Meinung nach das Führungsmodell der Zukunft.

Aus diesen beiden Themenkomplexen ergibt sich deutlich: Arbeitswelt steht nicht beziehungslos im Irgendwo. Sie hängt mit Gesellschaft und ihren Entwicklungen zusammen. So muss allen Beteiligten klar sein, dass Aus- und Fortbildung wie Bildung überhaupt den ganzen Menschen als Mittelpunkt haben muss, nicht kann.

Als Hinführung diente Jutta Rump die Geschichte der „Revolutionen“ im Bereich der Arbeit, angefangen bei der Industriellen Revolution an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Niemand habe bedacht, was solche Umwälzungen mit den betroffenen Menschen machen. Ebenso bei der Automatisierung, rund 100 Jahre später. Erst bei der Computerisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Mitarbeitende Thema. So wurden Sekretärinnen geschult, Weiterbildung im Bereich der EDV war üblich – hier wurden Menschen auf den Wandel vorbereitet. Das sei heutigentags erst recht notwendig.

Was den Verlust von Arbeitsplätzen betrifft und die daraus resultierenden Fragen nach bspw. dem bedingungslosen Grundeinkommen, so vertritt Jutta Rump da eine andere Meinung als Christian Bauckhage am Tag zuvor – sie ist dagegen. Es sei jedoch eine Änderung in der Haltung gegenüber der Erwerbstätigkeit sowohl von Arbeitgebern als auch von Arbeitnehmern zu fördern –  das Dreieck der „Employability“ zeigt das ganz schön.

Dreieck der Employability von Jutta Rump bei der Diggi 17
Sowohl die Eigenverantwortung des Arbeitnehmer als auch die Verantwortung der Unternehmen ergeben zusammen eine Arbeitssituation, die sinnvoll ist.

Mich hat Jutta Rump wirklich sehr beeindruckt.

„education“ auf der Diggi 17 – DiggiLL

Was ist DiggiLL - Vortstellung auf der Diggi 17
Hier wird das Projekt DiggiLL vorgestellt.

Letzten Endes hab ich auch zu diesem Thema nur eine Veranstaltung vollständig besucht. Ein von mir präferierter Vortrag erwies sich als Flop, so dass ich infolgedessen in zwei andere hineinschnupperte, die mir aber nicht so wirklich entsprachen. Ganz klar: Hier war das ZfL mit seinem Schwerpunkt als Glied in der Ausbildung von Lehrerinne und Lehrern deutlich schullastig.

Spannend war für mich, die ich ja so gerne Lehrerinnen und Lehrer, resp. die in der Ausbildung befindlichen jungen Menschen trainieren möchte, die Sache mit den Diggi-Kursen. Es gibt einen Zusammenschluss von vier Hochschulen in NRW, die gemeinsam Digital-Kurse für Lehrerinnen und Lehrern, resp. die in der Ausbildung befindlichen jungen Menschen, entwickeln. Das Projekt heißt DiggiLL. In dem Workshop bei Christian Friebe und Mechthild Wiesmann vom ZfL in Köln konnten wir solche Kurse anschauen und Statements dazu abgeben, für wie praktikabel wir sie halten usw. Durchaus interessant. Für mich wäre die andere Seite spannend – ob es sinnvoll sein kann, mein Seminar als einen solchen Kurs anzubieten. Es handelt sich dabei um Open Educational Resources. Ich denk da noch mal ein Weilchen dran rum 😉

Der Vortrag am Nachmittag, in dem ich dann die meiste Zeit verbrachte, behandelt den „guten Ruf im Netz“ – ein Schulprojekt, betreut von Dr. Iris Bockermann, bei dem Jugendliche ausprobieren konnten,  wie die Darstellung im Netz beeinflusst werden kann. Das einzige, was ich da tun konnte, war das Tool Data-Selfie kurz zu nennen, mit dem man sehen kann, was Facebook so an Daten sammelt.

Inspiration-Field auf der Diggi 17

nao, der humanoide Roboter auf der Diggi 17
nao wartet auf neuen Input, was er machen soll

Schon am ersten Tag hatte ich Kontakt mit nao und open Roberta – am Donnerstag waren dann zahlreiche Anbieter im Foyer des Vorlesungsgebäudes mit ihren Ständen und man konnte sich zu sehr unterschiedlichen Themen informieren. Hier einfach mal eine kleine Liste:

  • Bundeszentral für politische Bildung
  • Deutsche Sporthochschule
  • Cornelsen Verlag
  • Die Technische Hochschule Köln mit „Flipped classroom“ und „Flipped Lab“
  • Virtuelle Realität mit  „Inside Auschwitz“ (WDR) und 306°-Projekt zum Kölner Dom (WDR)

Wie bei solchen Tagungen üblich, sind die Gespräche zwischendurch dann besonders spannend – neue Leute kennenlernen, Erfahrungen austauschen und – vielleicht – in Kontakt bleiben.

Insgesamt war die Diggi 17 für mich ein lohnendes Projekt, mit dem ich noch eine Weile beschäftig sein werde.