Diggi 17 des ZfL der Uni Köln, 27.-29.9.2017

Da war ich – bei der Diggi 17. Und es war hochspannend. Das fand nicht nur ich als Tagungs-Newbie – auch erfahrenere Besucherinnen bekamen leuchtende Augen.

Diggi 17 Programablauf
Ein vollgepacktes Programm bei der Diggi 17

Die Diggi 17

  • hatte gute Themen
  • war gut organisiert
  • bot gutes Essen 😉
  • hatte großartige Speakerinnen (hier tatsächlich das Wichtigste als gewichtiger Schlusspunkt)

„Enter Next Level Learning“ lautete das Thema, das das ZfL an der Kölner Uni gewählt hat, und das wurde unterteilt in drei Bereiche:

  • education
  • brain
  • work & play

Mein Schwerpunkt lag – ohne so beabsichtigt zu sein – auf dem Gebiet „brain“.

“brain” auf der Diggi 17 – Christian Bauckhage

Der erste Keynote-Speaker war Prof. Dr. Christian Bauckhage, der versprach, uns zu schocken. Sein Thema: Künstliche Intelligenz. Und er hat das mit dem Schocken tatsächlich geschafft … Rund 60 % aller bekannten Jobs werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren von Künstlicher Intelligenz erledigt. Das sei keine Science-Fiction-Vision, sondern heute schon in vielen Teilen Realität. Z. B. in der Begutachtung von Aufnahmen bildgebender Verfahren in der Medizin. Bei einem Text, schnitten die „Teilnehmer“ aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz besser ab. Warum? Es waren im zweiten Teil ein paar Bilder aus dem ersten Teil dabei. Menschliche Gutachter gaben dann aber andere Beurteilungen ab, als beim ersten Mal – und zwar alle. Das kann Künstlicher Intelligenz nicht passieren. Da wird man schon nachdenklich, oder?

Prof. Dr. Christian Bauckhage bei der Diggi 17
Prof. Dr. Christian Bauckhage in Aktion

Christian Bauckhage kam auch immer wieder mit Zahlen – wie viel schneller Künstliche Intelligenz manche Aufgaben erledigen kann. Sein Lieblingswort war dabei „unfassbar groß“ – und da hat er schon recht. Bevor er zu o. g. Fazit kam, bot er einen historischen Überblick über die Entwicklung und die „Highlights“ der Künstlichen Intelligenz, dabei waren die Zeitpunkte der Demütigung menschlicher Intelligenz besonders wichtig– wenn Künstliche Intelligenz Menschen auf Gebieten geschlagen hat, die als Ausweis eben dieser menschlichen Intelligenz gelten: Schachspiel und Go; im Laufe der Jahre haben Roboter die amtierenden Weltmeister in diesen Disziplinen geschlagen.

Schon, ja, erschreckend … Die sozialen Folgen, wenn so viele Arbeitsplätze verschwinden sollten, waren für Christian Bauckhage auch Thema: Er plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Der Vortrag war inhaltlich also schon ein schweres Stück – aber dargeboten wurde der Vortrag auf großartige Weise: lebhaft, witzig, wo es passte und durchaus mit persönlicher Note.

“brain” auf der Diggi 17 – Tassilo Küpper

Ebenfalls der Rubrik „brain“ gehörte der Vortrag von Tassilo Küpper an, dem ehemaligen Rektor der Kölner Uni. Er hat mit Siebtklässlern des FWG in Köln im Rahmen der Kölner Kinder-Uni ein Theaterstück zum Thema Algorithmen erarbeitet. Das war ein Plädoyer für spielerisches Lernen. So erzählte Tassilo Küpper, dass die Kinder nur wenig Zeit hatten, um das Stück zu proben, so dass es bei der Aufführung Textaussetzer gab – aber da sie den Stoff verstanden hatten, kamen sie auf eigene Worte, um weitermachen zu können. Nebeneffekt: Ich weiß jetzt endlich, woher dieses vertrackte Wort stammt

Prof. Dr. Tassilo Küpper bei der Diggi 17
Prof. Dr. Tassilo Küpper erzählt von den Kindern und dem Konzept spielerisches Lernen

Diese beiden Vorträge fanden am Mittwoch statt – am Donnerstag hatte ich dann mit anderen Themen zu tun – dazu ein anderes Mal mehr. Am Donnerstag gab es „Sundowner-Vorträge“ – nach einem vollgepackten Tag um 19 Uhr noch mal Konzentration für ein komplexes Thema aufbringen? Puh.

Und ?

“brain” auf der Diggi 17 – Henning Beck

Ich war bis halb neun hochkonzentriert dabei, fühlte mich informiert, hab was gelernt und es war sehr unterhaltsam. Kein Wunder: Dr. Henning Beck ist Deutscher Meister im Science Slam … Er sprach über das Netzwerk Gehirn – und relativierte die Aussagen von Christian Bauckhage am Tag zuvor ein bisschen. Neues zu erschaffen, Probleme durch Überschreiten von Bekanntem, traut er Künstlicher Intelligenz nicht zu. Im Gegensatz zu Künstlicher Intelligenz arbeite das menschliche Gehirn per „verstehen“. Es geht dabei um Konzepte.

Kneeling chair Beispiel für "Verstehen" bei der Diggi 17
Stuhl oder nicht Stuhl – das ist hier die Frage.
„Wie lernt das Gehirn“ lautete der Titel und anhand einer Katalogseite zu Stühlen veranschaulichte Henning Beck, was er meinte. „Was ist das?“ –„Ein Stuhl.“ – „Und das?“ – „Auch ein Stuhl.“ – so hätte man die ganze Reihe durchmachen können – alles Stühle nach klassischem Muster: Sitzfläche, vier Beine, Rückenlehne. Doch dann kamen Bilder von einem Kniestuhl aus den 80ern, einem Sitzball und einem Kunstwerk – für uns war klar: alles Stühle. Das Prinzip dahinter: Man setzt sich drauf. Das hat was mit „Konzept“ – “sich insetzen können, und das auch auf verschiedene Art (s. Kniestuhl)” – und eben „verstehen“ zu tun. Künstliche Intelligenz schaffe diesen Transfer nicht. Deshalb ist beispielsweise (das ist jetzt ein Gedanke von mir) immer noch eine Lehrperson nötig, auch wenn personalisierte Lehrprogramme im Unterricht genutzt werden. Ein Mensch ist in der Lage unterschiedliche Informationen zu einem neuen Gedankengang zu verbinden. Im menschlichen Miteinander kann das auch die Frage nach dem Ergehen eines kranken Familienmitgliedes sein, die ein PC niemals stellen würde, wenn es mit den Matheaufgaben nicht so gut wie gewohnt klappt.

Portraitfoto Dr. Henning Beck bei der Diggi 17, Fotograf Marc Fippel
Dr. Henning Beck, Fotograf: Marc Fippel

Wie das Gehirn, bzw. der Mensch nun am besten lernt, hat Henning Beck auch verraten: Eine Phase der Konzentration gefolgt von einer mit Kommunikation und dann einer der Entspannung. Und in dem Fall heißt „Entspannung“ wirklich „Entspannung“ – ganz weg vom Lernstoff/der Arbeit, digitale Ruhepause, kein Daddeln aufm Handy oder so. Einfach in die Gegend gucken oder Sport oder Musik machen. Dann frisch in Phase eins zurück. Es gebe keine „Lerntypen“ (auditiv, visuell usw.) – am besten lernen alle, wenn möglichst viele Sinne angesprochen werden.

“brain” auf der Diggi 17 – Bojan Godina

Bojan Godina bei der Diggi 17
Dr. Bojan Godina – leider etwas im Schatten …

Zu letzter Aussage passte dann ein Vortrag am nächsten Tag: „Bilder bilden“ mit Dr. phil. Bojan Godina. Wenn ab diesem Semester in meinen Präsentationen mehr Bilder auftauchen – ihm haben Sie es zu verdanken 😉 Bojan Godina erläuterte ausgesprochen vielseitig – mit Informationen aus sehr unterschiedlichen Fachbereichen -, wie Bilder funktionieren. Und auch, woher manche Bildelemente stammen.  Da mögen noch so viele die Nase über Kirche/Religion usw. rümpfen: Die Bildsprache in Werbung und Spielen, in Zeitschriften und Buchcovern stammt aus dem religiösen Umfeld. Antinaturalistische Farben, metallischer Glanz und überweltliches Licht – wenn man mal drauf achtet, begegnet man ihnen überall.

Um die Erkenntnisse rund um Bilder und ihren emotionalen Gehalt, ihre Einbindung in soziale Gefüge nun für die Lehre an Schule und Uni zu nutzen, bedarf es einiger geistiger Anstrengung. Es reicht nicht, einfach ein paar Bilder mehr in die Folien zu packen. Die Bilder müssen auf die Zielgruppe hin ausgewählt werden und die Lehrperson muss selber auch eine Beziehung dazu haben. Denn Bilder stehen nicht einfach so da rum. Sondern müssen in den Lehrkontext eingebunden werden und ebenso die damit verbundenen Emotionen. Mal schauen, ob ich das schaffe …

Tipps für Bilder ind er Lehre von Bojan Godina bei der Diggi 17
Diese Tipps von Dr. Bojan Godina will ich mir zu Herzen nehmen

Ich habe auf der Diggi 17 eine Fülle an Inspiration bekommen. Damit werde ich mich noch eine ganze Weile befassen, bis ich weiß, was davon dauerhaft in meine Seminare usw. einfließen wird.