Blogwichteln 2020 – Karin Fenz zu Recherche im Privatradio

Die Recherche in einer Privatradio-Redaktion

Radio ist ein schnelles Medium. Das bedingt, dass mitunter der Eindruck besteht, es würde dort schlampig gearbeitet. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch das gibt. Doch genau wie bei allen anderen Medien gilt auch für das Radio, dass das Vertrauen der Hörer:innen durch falsche Informationen rasch verspielt und nur sehr schwer wiederzugewinnen ist. Daher heißt es auch bei Österreichs kommerziellen Privatradios, genau zu recherchieren, ehe etwas auf Sendung geht. Es gibt dazu mittlerweile verschiedene Recherche-Tools, von denen ich hier einige nennen möchte.

Welches Tool Programmmitarbeiter:innen verwenden, ist immer auch davon abhängig, wonach und wofür sie suchen. Benötigen sie gesicherte Informationen für aktuelle Nachrichten oder für Flächengeschichten? Flächengeschichten, also Informationen in moderierten Stunden zwischen Nachrichtenblöcken, können zum Teil schon Tage oder Wochen vorher recherchiert werden. Aktuelle Informationen hingegen beziehen sich häufig auf unvorhergesehene Ereignisse. Dazu lässt sich entsprechend erst recherchieren, wenn sie eingetreten sind.

Jene Redaktionen, die über einen Zugang zur Nachrichtenagentur Austria Presse Agentur (APA) verfügen, beginnen meist dort ihre Recherche. Und das unabhängig von der Vorlaufzeit für die Veröffentlichung. Gewöhnlich ist aber Google erste Anlaufstelle. Zusätzlich werden mitunter auch andere Suchmaschinen mit anderem Algorithmus genutzt, wie Ecosia, Bing oder Duckduckgo.

Töne und Texte

Anders als Printmedien oder Online-Portalen reicht dem Radio rein textlich vorhandene Information oft nicht aus. Als akustisches Medium ist es davon abhängig, verbal geäußerte Information auf Sendung bringen zu können. Zusätzlich zum Hauptprodukt, dem Radiosender, müssen auch angeschlossene Auftritte, wie die Website, die Facebook-Seite oder die Social Media Accounts befüllt werden. Gesucht wird daher nach

  • seriösen schriftlichen Informationen
  • verwendbaren Originaltönen (OTs)
  • frei verfügbaren Bildern
Kleines Radio Weltempfänger aus Wikimedia Commons
So ein Teil gab es bei uns in der Familie auch – ein Weltempfänger

Die Bildersuche spare ich an dieser Stelle aus, denn wesentlich zum direkten Bedienen der Hörer:innen sind Texte und Töne. OTs haben den Vorteil, dass sie einem Redner/einer Rednerin zugeordnet werden können. Der Nachteil ist, dass sie nicht wahllos auf Sendung gebracht werden dürfen. Und zwar auch dann nicht, wenn sie redaktionell für die Hörer:innen eingeordnet werden. Das ist schlicht eine Urheberrechtsfrage. Vergleichbar etwa damit, dass Printmedien nicht wahllos Fotos veröffentlichen dürfen. In seriösen Redaktionen wissen die Mitarbeiter:innen aber natürlich, welche OTs sie senden dürfen und welche nicht.

Erste Anlaufstelle auf der Suche nach OTs ist ganz klar Twitter. Speziell bei aktuellen internationalen Ereignissen finden sich hier zeitnah Aufzeichnungen von Pressekonferenzen, Pressestatements und Interviews. Wobei angesichts der Verantwortung der Redaktion selbstverständlich nur Inhalte von seriösen Accounts aufgerufen werden. Zu diesen zählen etwa die von Twitter verifizierten Auftritte von Nachrichtenagenturen, Zeitungen, TV-Stationen oder Behörden, wie die Polizei.

Facebook und Instagram für Flächen-Themen

Benötigen Programmmitarbeiter:innen rein textliche Informationen aus mehreren Quellen für ein Flächen-Thema, kommen auch Facebook und dessen Schwester Instagram zum Einsatz. Beide sind jedoch nur bedingt als ausschließliche Quellen zu empfehlen, da wie bei Googles YouTube auch hier der Algorithmus mitbestimmt, welche Antworten mir angezeigt werden.

Ganz grundsätzlich gilt auch im Radiojournalismus: Check – Recheck – Double Check!

Da das Vertrauen, wie erwähnt, rasch verspielt ist, müssen zur Verifizierung von Informationen meist noch andere Quellen herangezogen werden. Meist deshalb, weil Informationen von Nachrichtenagenturen als gesichert gelten und daher nicht auf ihre Richtigkeit überprüft werden. In allen anderen Fällen lässt sich nicht ausschließen, dass Medien (aus Zeit- und Personalgründen) voneinander abschreiben.

Presseaussendungen und Twitterlisten

Karin Fenz

Ebenfalls zur Recherche herangezogen werden Online-Auftritte der internationalen Mitbewerber. Und hier speziell jene der Öffentlich-rechtlichen Sender. Recherchiert wird zudem über Presseaussendungen und über Twitterlisten. Je nach Thema steuern Programmmitarbeiter:innen vorhandene Twitterlisten zum jeweiligen Schwerpunkt an. In Österreich gibt es zusätzlich die Möglichkeit, in den Twitter-Accounts von Journalistenkolleg:innen, Politiker:innen oder heimischen Medien zu recherchieren, die im Original-Text-Service der APA online unter twitterlist.ots.at aufgeführt sind.

Presseaussendungen wiederum sind eine wichtige Quelle, wenn es um Telefonnummern geht. Denn: Sollte es am Ende der Recherche immer noch Unklarheiten geben und Programmmitarbeiter:innen betreffend der Echtheit der Ergebnisse unsicher sein, dann bleibt immer noch der klassische Anruf!

Zu Karin Fenz

Ich freue mich, im Rahmen des Blogwichtelns 2020 Karin Fenz zu Gast zu haben. Sie ist Texterin, Sprecherin und Radiofrau – vielen Dank, dass Du uns hier einen Einblick in die Rechercheoptionen gibst, die gerade für ein Hörmedium wichtig sind. Wer sich weiter einlesen möchte: Karin Fenz betreibt auch das medienblog und gibt Einblicke in verschiedene Aspekte ihrer Arbeit.

Das Blogwichteln ist eine jährliche Aktion unseres Netzwerks Texttreff

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