Blogwichteln 2016 – ein Beitrag von Katharina Thölken zu Recherche bei Buchpublikationen

blogwichtelbuttonHier ist er nun, der Artikel der Textine Katharina Thölken zum Blogwichteln 2016 – und sie hat uns ein wirklich wunderbares großes Paket mit Infos für Selfpublisher geschnürt, randvoll mit Tipps und Links. Vielen lieben Dank dafür!

Hach, ich liebe das Blogwichteln vom Texttreff 🙂

Was  Verlage und Selfpublisher bei Buchpublikationen recherchieren müssen

Wer einen Verlag gründen oder seine Bücher selbst publizieren will, muss recherchieren – und zwar nicht wenig. Selfpublisher brauchen nicht zwingend einen Verlag zu gründen, dafür gibt es genügend Anbieter wie BoD (Books on Demand), epubli und andere. Was Sie aber dennoch wissen müssen:

1. Gibt es meinen gewünschten Titel schon?

Denn Buchtitel sind ebenso wie Film- oder Musiktitel sogenannte Werktitel und die sind markenrechtlich geschützt, aber nur wenn sie „eine eigene Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft“ besitzen, wie es das Markengesetz verlangt. Daher gibt es zum Beispiel Bücher mit dem Titel Liebesgedichte  sowohl von Pablo Neruda als auch von Erich Fried und Mascha Kaléko. Den Titel Wie soll ich meine Seele halten. Liebesgedichte gibt es dagegen nur von Rainer Maria Rilke.

Ist ein Buch mit einem solch unterscheidungsfähigem Titel erst einmal auf dem Markt, ist es automatisch geschützt. Wer sichergehen möchte, dass der Titel nicht schon vor der Veröffentlichung „weggeschnappt“ wird, kann gegen eine geringe Gebühr einen Titel im Börsenblatt des Börsenvereins oder in einem anderen Branchenblatt anzeigen lassen, hat dann einen Titelschutz, der sechs Monate gilt, so viel Zeit, wie man üblicherweise bis zur Veröffentlichung braucht. Doch davor gilt es, den Titel möglichst genau zu recherchieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Die Titelschutzrubrik des Börsenblatts gibt außerdem Aufschluss über noch unveröffentlichte, aber bereits geschützte Titel.

2. Was muss im Buch enthalten sein?

ISBN

Die ISBN ist nur dann notwendig, wenn Ihr Buch öffentlich verkauft werden soll, also in online-shops oder beim Buchhändler um die Ecke. Rein private Publikationen brauchen keine ISBN. Die ISBN kann bei der Agentur für Buchmarktstandards bestellt werden, wo es inzwischen auch die ISBN-A für eine bessere digitale Auffindbarkeit gibt. Kommt ein Buch als Druckversion und als eBook heraus, braucht es zwei verschiedene ISBN.

Barcode

Wer nicht über die oben genannten Anbieter von Eigenpublikationen veröffentlichen, aber dennoch sein Buch im Buchhandel  sehen will, braucht außerdem einen Barcode, auch Strichcode genannt. Dafür gibt es kostenlose online-Tools wie Bookow, der Barcodes in unterschiedlicher Qualität anbietet, was für die verschiedenen Bedingungen von Print und eBook sinnvoll ist.

Impressum

Jedes Buch muss ein Impressum enthalten. Dort gehören Autoren- oder Herausgebernamen, Titel des Buches, Erscheinungsort und Erscheinungsdatum. Eventuelle Rechte Dritter (z. B. Bildrechte) gehören ebenfalls ins Impressum. Die genauen Bestimmungen zum Impressum sind Sache der Bundesländer und müssen also in deren Pressegesetzen recherchiert werden.

3.  Wer druckt das Buch?

Eine selbstverständliche Frage, die aber oft viel Recherchearbeit verlangt, denn Druckereien gibt es viele. Wer macht was in welcher Zeit zu welchen Konditionen, das beschäftigt mich auch  nach zehn Jahren Verlegertätigkeit bei jedem Buch. Bei Kleinauflagen gibt es von manchen darauf spezialisierten Anbietern bessere Preise als von anderen, die große Auflagen günstig drucken. Manche sind schneller, andere bieten eine besondere Qualität. Gerade bei der Qualität gibt es so viele Dinge zu beachten, die Zeit erfordern. Papiervolumen, -gewicht und -farbe können z. B. schlecht online beurteilt werden. Hier gilt es also Druckereien vor Ort aufzusuchen oder sich Muster zuschicken zu lassen.

Und auch bei E-Books muss recherchiert werden. Die werden zwar nicht gedruckt, aber für verschiedenste Lesegeräte konvertiert.  Hier gibt es ebenfalls Tools zum Selbermachen, wie z. B. Calibre. Für Softwaredummies aber nicht zu empfehlen. Dann lieber einen Anbieter suchen, der das Konvertieren übernimmt.

Auch so eine Art "Weg des Buchs" ...
Auch so eine Art “Weg des Buchs” …

4. Wie vermarkte ich das Buch am besten?

Auf diese Frage kann ich hier nur ansatzweise eingehen, denn wie bei jedem Produkt ist die Vermarktung eine Wissenschaft für sich und der Erfolg eng mit dem Budget und der Kreativität verknüpft. Nicht zu vergessen ist das Glück, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema zu kommen. Denn dann werden Zeitungen, Online- und Printmagazine, Radiosender und Journalisten ganz allgemein aufmerksam und es passiert das Beste überhaupt: Sie berichten über Buch und Autorin.  Dazu müssen natürlich zuvor Pressemitteilungen verschickt werden. Leseproben, Rezensionen akquirieren, eine eigene Website zum Buch aufbauen (Achtung: freie Domain rechtzeitig recherchieren), in den sozialen Medien berichten, Blogartikel schreiben, Lesungen anbieten und, und, und. Diese Arbeit endet nie. Große Verlage arbeiten außerdem mit Verlagsvertretern, kaufen Präsentationsplätze auf den Neuerscheinungs-Tischen der Buchhandlungen, bewerben das Buch in Katalogen, mit Plakaten und anderen Werbemitteln.

Was ein Autor auf jeden Fall selbst recherchieren kann, ist:

Zu welchen Sendungen/Magazinen passt mein Thema? Wer ist der zuständige Redakteur? Welche Einrichtungen bieten Lesungen an? Welche Facebookgruppen sind für die Buchvermarktung interessant. Wo kann ich Gastbeiträge veröffentlichen? Was kann ich den Lesern meines Blogs an Schmankerln bieten? Welche Aktionen haben andere Autoren bereits gemacht und welche sind erfolgversprechend?

Das Schöne am Recherchieren ist ja, dass man gelegentlich auf ganz unerwartete Anreize trifft, die inspirieren und neue Wege gehen lassen. Und ungewöhnliche Wege waren schon für manches totgeschwiegene  Buch die Lebensretter.

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So weit Katharina Thölken – nun wissen Sie und ich, was wir zu tun haben, wenn wir ein Buch selbst veröffentlichen wollen.

Ach ja – schreiben müssen wir es auch noch 😉

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