Tag der Medienkompetenz 2018 – Veranstaltungen

Hier nun der 2. Teil meines Rückblicks auf den Tag der Medienkompetenz in Düsseldorf am 5.11.2018. Neben den Ausstellern, die ihre Projekte vorstellten, gab es auch eine Reihe Workshops, zu denen man sich im Vorfeld anmelden konnte. Und natürlich gab es auch eine Begrüßung und eine Diskussionsrunde am Anfang.

Plenumsveranstaltungen beim Tag der Medienkompetenz

Nach der Begrüßung durch den Landtagsvizepräsidenten Oliver Keymis hatte Staatssekretär Nathanael Liminski das Wort. Woran ich mich am deutlichsten erinnere, sind seine Bemerkungen dazu, wieviel schneller sich Fake News im Netz verbreiten als echte Nachrichten. Die sind sechsmal schneller!

Warum?

Weil sie auf Emotionen gehen. Menschen reagieren auf Emotionales stärker und schneller als auf Fakten. Kann man ja an sich selber testen: Lesen Sie mal eine Schlagzeile, in der von soundsoviel hundert Toten die Rede ist. Und vergleichen Sie Ihre eigene Reaktion mit der, wenn Sie eine Geschichte dazu bekommen – wer da gestorben ist. Oder wenn Sie ein Bild von einem einzelnen toten Menschen, ergreifender noch, von einem toten Kind sehen. Sie erinnern sich an das Bild des kleinen Jungen aus Syrien am Strand, oder? Weil das so ist, legen die Urheber von Fake News Gewicht darauf, die Gefühle anzusprechen. Selbst wenn die Tatsachen schnellstmöglich nach geliefert werden, bleibt die Geschichte in ihrer Ursprungsfassung im Gedächtnis. Die Kommentare unter so einem Beitrag haben damit zu tun. Zustimmende Kommentare werden von Algorithmen als Bestätigung  interpretiert und landen weiter oben. Korrigierende Kommentare, die naturgemäß andere Wörter nutzen, landen im Ranking weiter hinten und geraten so aus dem Blick.

Nathanael Liminski wies auf die Projektgruppe zu Medienkompetenz hin, die sich fraktionsübergreifend im Landtag gebildet hat. Abgeordnete aller Fraktionen haben in der Vorbereitung für den Tag der Medienkompetenz Aktionen, Initiativen usw. besucht, in denen die Vermittlung von Medienkompetenz im Mittelpunkt stand. Bei den Ständen vor dem Plenarsaal war auch ein Kooperationsstand der verschiedenen Ministerien vertreten, die Informationen ihres Fachbereichs zu Fake News und Medienkompetenz präsentierten.

Tag der medienkompetenz Quiz Pippi Langstrumpf trägt Pferd Kein Schatten - Fake!
Woran merken Sie, dass es sich hier um einen Fake handelt? – Kleiner Onkel wirft keinen Schatten. Das Bild gehörte zum Quiz rund um Fake News.

Anja Backhaus, Rundfunkmoderatorin, moderierte dann ein Gespräch zwischen Patrick Gensing, der beim Faktenfinderteam der Tagesschau arbeitet und Giulia Silberberger, der Erfinderin des Goldenen Aluhuts – sie befasst sich mit Verschwörungstheorien und Fake News.  Beide erzählten von den Hintergründen ihrer Projekte:

  • Giulia Silberberger war – über ihre Familie – Sektenmitglied und hat sich aus dieser Verstrickung befreit. Daher rührt ihr Interesse, über Narrative aufzuklären, die in Menschen Angst erzeugen und sie gefügig machen, auch wenn dahinter nur eine krude Weltanschauung steht. Am liebsten wäre es ihr, es gäbe keine Religionen mehr, denn darin sieht sie einen großen Fundus an Strategien, Gläubige zu manipulieren.
  • Patrick Gensing schilderte die Entstehung des Faktenfinderteams im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 – und winkte gleich ab: Die Besetzung ist eher klein, genauer gesagt: nach der Bundestagswahl sehr klein … Nichtsdestotrotz gibt es auf der Seite eine Menge interessanter Videos, die Hintergründe klären und auch nach dem aktuellen Anlass noch wertvoll sind.

Ein Diskussionspunkt war, ob man Fake News besser ignorieren sollte. Es gab kein einheitliches Bild dazu. Patrick Gensing jedenfalls hält das nicht für die beste Lösung; andererseits kann das kleine Team der Faktenfinder nur auf einzelne Themen anspringen und nicht alles abdecken. Streeitig war in der Diskussion am Ende auch der Gedanke, dass im heutigen Journalismus nicht mehr genug Zeit für die Recherche bleibt. Fakten zu checken gehört aber zu den journalistischen Grundlagen und sollte nicht dem Drang nach „Erster, Erster!“ geopfert werden.

Workshops beim Tag der Medienkompetenz

Mein erster Workshop war wieder mit Nathanael Liminski, denn als Staatssekretär hat er mit Digitalisierung zu tun. Außerdem waren die medienpolitischen Sprecherinnen aller Fraktionen vertreten; Anja Backhaus moderierte. Bis alle Sprecherinnen ihre Statements vorgebracht hatten, war mehr als die Hälfte der Zeit verstrichen …

Hier ein paar Statements:

  • Nathanael Liminski wies darauf hin, dass Medienkompetenz nicht nur ein Thema für Schulen sei – auch Erwachsene müssten auf dem Gebiet ständig dazulernen.
  • Oliver Keymis, Bündnis 90/Die Grünen, will erst mal eine Definition von Medienkompetenz – geht es ums Technische oder um einen kritischen Umgang? Besser sollte wohl beides vorhanden sein …
  • Alexnder Vogt, SPD, Schulen sind für die Vermittlung Medienkompetenz so wichtig, weil dort eine größere Virlfalt an Menschen erreicht werden kann als an jedem anderen Punkt.
  • Andrea Stullich, CDU, betont die Notwendigkeit von kreativem Umgang mit Medien; außerdem weist sie auf eineAn treg der Reigerungsparteien hin, den Etat zu Medienbildung um 1 Million Euro aufzustocken. Im Laufe der Diskussion wurde deutllich,d ass der Verwendungszweck noch nicht feststeht.
  • Thomas Nöckl, FDP, stellte als eine Möglichkeit mobile Angebote in den Raum – quasi mit einem Medienkompetenzvermittlungsbus über Land fahren.

In der Diskussion meldete sich ein Schulleiter zu Wort, der, nach eigener Aussage, in Sachen Technik wie die Made im Speck lebe – das Problem sei die Fortbildung der Lehrkörper und die Motivation, das Angebot zu nutzen.

Es gab – ich weiß nicht mehr von wem – den Hinweis auf die Medienberatung NRW und den in Entwicklung befindlichen Medienkompetenzrahmen für Erwachsene. Unter anderem erfolgte der Aufruf, die ZFsLs, also die Zentren für schulpraktische Leherausbildung, mit ins Boot zu holen – Medienkompetenz schon bei Lehramtsstudierenden zu fördern. Da müsse Geld hin.

Viel Applaus bekam ein Schüler, der fragte, wie es möglich sein könne, dass es Schulen gebe, die richtig gut ausgestattet seien, und andere, in denen es am Nötigsten fehle. Er bekam großen Applaus. Zu Recht. Diese Zustände sind nicht hinnehmbar.

Ein Grund: Kompetenzkuddelmuddel. Drei Ebenen sind an Ausstattung, Finanzierung und Konzepten für Schulen beteiligt:

  • Kommunen
  • Land
  • In einigen Punkten, gerade zu Digitalisierung, der Bund

Ein Vorschlag aus der Runde der Diskutantinnen: Informatik als Pflichtfach bei Lehrerinnen und Lehrern. Nur: Wie soll das gehen bei denen, die seit Jahren im Dienst stehen? Aufhänger wäre die 6. Säule im Medienkompetenzrahmen, also „Problemlösen und Modellieren“.

Auch wenn die Politikerinnen am Anfang recht viel Zeit darauf verwendet haben, ihre parteilpolitischen Errungenschaften oder Kritik loszuwerden, ergab sich in diesem Workshop durchaus die eine oder andere kleine Diskussion, deren Fortsetzung in den Gremien zu wünschen ist.

Mein Nachmittagsworkshop befasste ich mit wissenschaftlichen Ansätzen zu Fake News: „Was sagt die Wissenschaft und was heißt das für die Bildung?“.

Tag der Medienkompetenz Fake news Beiziehungen in der Verbreitung
Wer ist alles wie an Fake News beteiligt?

Junior-Professorin Dr. Sandra Hofhues (Mediendidaktik) begann erst mal mit Definitionen. Nach Alexander Sängerlaub sind Fake News absichtlich verbreitete Falschnachrichten mit dem Ziel, einer Sache oder Person zu schaden.Vortragsthemen_Uebersicht_2018

Die zweite Rednerin war Vera Podskalsky, Doktorandin an der Uni Freiburg. Ein Aspekt, den ich interessant fand, war die Unterscheidung von Filterblase und Echokammer:

Einmal: Gibt es Filterblasen überhaupt? Wenn ja, ist ihr Kennzeichen, dass die Nutzer z. B. sozialer Medien keinen Einfluss darauf haben, was sie zu Gesicht bekommen. Echokammern dagegen entsprechen analogen Situationen und bieten mehr Einflussmöglichkeiten.

Tag der Medienkompetenz Fakten zu Fake News
Ein paar Fakten zu Fakte News

Zwei Sätze habe ich aus der Veranstaltung mitgenommen:

Algorithmen sind menschengemacht und können geändert werden.

Wissenschaftsfächer müssen kooperieren, um die Fragen rund um Medienkompetenz und den kritischen Umgang mit Fake News konstruktiv anzugehen.

Insgesamt war der Tag der Medienkompetenz für mich sehr informativ. Wenn er in zwei Jahren wieder stattfindet, habe ich vor, dabei zu sein 🙂

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