„Du und ich“ von Niccolò Ammaniti

Ein Junge flüchtet sich in den Keller – generalstabsmäßig geplant. Warum? Er hat den Eltern vorgelogen, er führe mit Freunden auf eine Skifahrt. Doch er ist gar nicht eingeladen. Die Lüge war so eine spontane Idee, wie viele andere zuvor – schließlich wollte die Mutter immer hören, er sei in der Schule gut integriert, habe Freunde. Als sie dann heimlich vor Freude im Bad weint, kann er sie doch nicht enttäuschen. Also geht er in den Keller, mit Dosennahrung, Wasser, Cola und Selbstbräuner.

Hier schaut ein erwachsener, junger Mann zurück auf seine Kinder- und Teenagerjahre, beschreibt die Gefühle der Hilflosigkeit, des Anders-Seins, der Sehnsucht. Das Bild der Fliege, die sich als Wespe tarnt wird sein Überlebensmotiv in einer Umwelt, die ihm unverständlich bleibt.

Mitten hinein ins selbstgebaute Idyll platzt seine sieben Jahre ältere Stiefschwester auf der Suche nach einem Unterschlupf. Schön, drogensüchtig und genauso einsam wie er selbst bringt sie seine bisherige Welt zum Einsturz.

Niccolò Ammaniti ist eine Geschichte gelungen, die sehr berührt. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden steht auf dem Cover. Ja, Lorenzo ist erwachsen geworden und als Leserin konnte ich mitgehen und den einen Moment miterleben, an dem es geschieht. Und auch, welche Konsequenzen das dann hat. Eine bewegende Geschichte – durchaus auch mit komischen Momenten. Die Frage, die ich mir am Anfang gestellt habe, nämlich unter welcher Störung dieser aufbrausende Junge wohl leiden mag, ist völlig in den Hintergrund getreten – es zählt nur noch seine Sicht.

Niccolò Ammaniti: Du und ich, Piper, München, Zürich, übersetzt von Ulrich Hartmann,  ISBN 9783492055048

Rezensionen ab Mai 2013 erscheinen in meinem Literaturblog Kölner-Leselust.de.

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