Thema 1914 – 3.7.1915

Heute vor 100 Jahren erschien in Berlin die 48.  Kriegsnummer des “Daheim” – eine Zeitschrift für die ganze Familie, könnte man so sagen. Darin findet man Kriegsberichterstattung, ein paar Gedichte zu diesem Thema. Außerdem mehrere Fortsetzungsgeschichten, Rezepte für die Kriegsküche und jede Menge Anzeigen, die das Blatt zu finanzieren halfen. Gerade im Bereich der Anzeigen könnte man meinen, es gäbe keinen Krieg – die Verbesserung der Büste durch “moderne” Textiprodukte ist dort ebenso erstrebenswert wie leistungssteigernde Mittel und Adressen für Pensionats- oder Internatserziehung. Mittendrin dann dieser Einleger:

Gedenkblatt für die Gefallenen mit Unterschrift des Kaisers

Gedenkblatt für die Gefallenen mit Unterschrift des Kaisers

Wenn die armen Kerle doch nur so friedlich und sauber gestorben wären – die Realität des Krieges konnten die “Daheim”-Leserinnen und -Leser nicht ermessen.

Wer in den Nummern von 1915 mal blättern will: Die Univeristät Heidelberg hat die Dateien digitalisiert.

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Der Weg des Buches – nicht nur Wanderrouten

Als ich in Kärnten Urlaub machte, ist mir dieses Schild “Der Weg des Buches” aufgefallen:

Interessantes Schild - eine Buchwanderung?

Interessantes Schild – eine Buchwanderung?

Natürlich dachte ich zuerst eine Wanderroute, vielleicht zu Bibliotheken oder vielleicht anhand eines regional relevanten Buchtitels. Oder was konnte es sonst sein?

Mit der zweiten Vermutung war ich nicht weit weg von der Lösung:

Es handelt sich um eine Route, auf der deutschsprachige Bibeln und protestantische Gesang- und Gebetbücher zu Geheimprotestanten in Österreich geschmuggelt wurden.

Mir war ja schon in der Kirche in Techendorf aufgefallen, dass es sich bei den Menschen im Tal um den Weißensee um evangelische Christinnen handelt – schauen Sie nur, wie hübsch man dort die Gesangbücher einbindet:

In handbestsickten Leinenhüllen werden die Gesangbücher in Techendorf parat gelegtgelegt

In handbestsickten Leinenhüllen werden die Gesangbücher in Techendorf parat gelegt

Im Dunkel der Kirche leuchten die hellen Einbände förmlich

Im Dunkel der Kirche leuchten die hellen Einbände förmlich

Als ich dann nachfragte, was es mit dem Weg des Buches auf sich habe, bekam ich schon ein bisschen was erzählt und habe mir vorgenommen, dem Thema mal nachzuspüren.

Natürlich ist dieser Weg des Buches tatsächlich erst einmal ein Wander- und auch Pilgerweg (sogar mit Pilgerpass!). Er bietet reizvolle Touren für Fuß- und Radwanderer. Aber v. a. bietet er Informationen über eine Zeit, die heute so gut wie vergessen ist: Als Evangelisch-Sein in Österreich verboten war. Der Beginn der Schmugglerroute liegt im bayerischen Ortenburg, denn bis dahin durften die Druckerzeugnisse aus Regensburg und Nürnberg geliefert werden – von da an gings nur noch heimlich.

Und wer einmal im Leben in einer richtigen Kirche protestantischen Gottesdienst feiern wollte, pilgerte damals den Weg von Österreich nach Ortenburg, der protestantischen Enklave. Verheimlichung fand auf die denkbar simpelste Weise statt: Den Büchern wurde die erste Seite rausgerissen, aus der auch für Leseunkundige hervorgehen konnte, ob es evangelische oder katholische Bücher waren. Die “Pilger” zum Gottesdienst ihrerseits gaben vor, nach Altötting pilgern zu wollen.

Eröffnet wurde der Weg des Buches 2008; 2013 wurde die Verlängerung bis nach Ortenburg eingeweiht.

Auch bei Ramsau gibt es eine Wandermöglichkeit auf religiös geschichtlichen Wegen: auf dem “Toleranzweg“; das Besondere an den Geheimprotestanten in Ramsau, Bad Goisern und Umgebung: Die Gottesdienste fanden in Höhlen statt. Der Rundweg ist mit zwei Kilometern eine überschaubare Sache. Eine der Höhlen ist die Kalmooskirche.

Der Beitrag gehört in eine kleine Reihe zu Bibliotheks- und Bücherthemen im Urlaub.

Auf der Leselust habe ich 2013 ein paar Public Libraries in den USA vorgestellt:

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Spezialbibliotheken – ZB MED nach Relaunch

Der neue Katalog der ZB MED ist zwar noch in der Beta-Version, aber vorstellen will ich ihn trotzdem schon mal. Denn: Die Standortangaben für die ZB MED sind wieder da!

Bitte, hier kommt der Beweis:

Wenn bei der Katalogkarte unten ein Reiter "Im ZB-MED-Bestand" hängt, klappt ebim Anklicken die Info dazu auf.

Wenn bei der Katalogkarte unten ein Reiter “Im ZB-MED-Bestand” hängt, klappt beim Anklicken die Info dazu auf, hier : Vorraum (1. OG)

Der neue Katalog LIVIVO ist sehr benutzerorientiert angelegt. Es gibt eine sehr gute Einführung in die Recherchemöglichkeiten. Die finden Sie, wenn Sie dem Button “Über Livivo” unten auf jeder Seite im Footer folgen: Auf der linken Seite finden Sie die Hilfesthemen; der vierte Punkt von oben heißt Recherche, und da finden Sie alles, was Sie brauchen:

  • Erläuterung der einfachen Suche
  • Verknüpfungsmöglichkeiten mit Boole’schen Operatoren (AND, NOT, OR)
  • Erläuterung der einzelnen Eingabefelder bei der erweiterten Suche, dort sehr spannend die Erläuterungen zu DOI, Quelle und MeSH
  • die Möglichekeit, mit Filtern auf der linken Seite der Ergebnisseite die Suche nachträglich zu verfeinern
  • Erläuterung der Expertensuche wie trunkieren, Phrasensuche und Kürzel für diese spezielle Suchmethode

Die Spracheinstellung des gemeinsamen Kataloges für Medizin, Ernährung, Agrarwissenschaften und Umwelt (vorher Medpilot und Greenpilot) ist erst einmal englisch – ein Klick oben rechts und Sie können zu Deutsch wechseln.

Unter “Was ist neu” finden Sie jeweils die aktuellen Änderungen erläutert – bei einer Beta-Version eine unverzichtbare Seite ;-)

Rein theoretisch könnte ich Ihnen auf meiner Website auch eine direkte Suche in LIVIVO ermöglichen … Das ist jetzt für Profi-Wissen nicht wirklich sinnvoll – aber nett finde ich die Idee schon.

Falls Sie sich jetzt wundern, warum ich keine Klickanleitung für LIVIVO erstellt habe: Ich finde die Erläuterungen unter Recherche  und Trefferliste auf der Über LIVIVO-Seite so klar, dass es einfach nur doppelt gemoppelt wäre. Ich empfehle Ihnen hier wirklich mal die hauseigene Seite, denn die ist wirklich gut.

Ich behalte LIVIVO im Auge und wenn die Beta-Phase vorbei ist, schau ich mir das Endprodukt der ZB MED noch mal genau an.

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Interview zu Ihrem Recherche-Bedarf

Es freut mich ja durchaus, wenn ich sehe, dass die Interviews, die ich zu Recherche-Bedarf und -Erfahrungen meiner Leserinnen veröffentlicht habe, immer wieder angeklickt und gelesen werden. Vielleicht haben Sie ja selber Lust, sich mal Gedanken zu Ihrem Bedarf an Recherchen und zu dem Nutzen zu machen, den Sie von Recherchen so haben – und dies dann hier zu teilen.

Deshalb finden Sie den Fragebogen als Word-Dokument jetzt hier: Interviewfragen – ich bin sehr gespannt auf Ihre Rechercheerlebnisse :-)

Und hier sind ein paar der Interviews, die auf diese Weise zustande gekommen sind:

Wenn Sie mögen, können Sie gern ein Foto von sich mitschicken.

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Google weiß alles über mich – was kann ich tun?

Heute erschien in meiner Lokalzeitung ein Artikel zur Datenkrake Google. Überschrift: “Warum will Google das alles wissen?” Die Frage ist nun leicht zu beantworten, nicht wahr? Geld.

Google verdient anhand von Werbung. Und Werbung ist nur sinnvoll, wenn Leute die beworbenen Sachen auch kaufen. Also muss die Werbung passen – zu dem Menschen, wie er sich bei Google präsentiert. Und das geht über die Suchmaschine weit hinaus: Picasa, Youtube, gmail, G+ – wer bei einem dieser Dienste ein Konto hat, Chrome oder ein Android-Handy nutzt, Adsense oder Adwords mit eigenen Webpräsenzen nutzt, bei GooglePlay Apps runterlädt, ist in der Regel für Google gläsern.

Doch das muss nicht so sein.

Das eine Konto, um alle Google-Konten zu verwalten und damit auch zu verknüpfen, bietet durchaus Möglichkeiten, den Datenfluss einzudämmen.

Abgefragt wird so ziemlich alles: Name, Geschlecht, Geburtstag, Webpräsenzen, E-Mail-Adresse, Telefonnummern und und und – aber Sie müssen nicht alles ausfüllen :-) Nur bei Geburtstag sind die von Google pingelig – das muss ausgefüllt werden. Aber wer kontrolliert die Angabe? Ansonsten? Mut zur Lücke.

In allen diesen Feldern eines Google-Kontos kann man Eisntellungen vornehmen, um den Datenfluss einzudämmen.

In allen diesen Feldern eines Google-Kontos kann man Eisntellungen vornehmen, um den Datenfluss einzudämmen.

Sie können bspw. bei “Kontoverlauf” die verschiedenen Verlaufsoptionen “pausieren”:

  • Browseraktivitäten
  • Standortverlauf
  • Geräteinformationen
  • Sprachsuchen
  • Videosuchen bei Youtube
  • Wiedergabeverlauf bei Youtube

Wenn Sie dann die Seite aufrufen, auf der die für Sie ermittelten werberelevanten Informationen zusammengetragen werden, gibt’s da nur noch wenig:

Alter und wie viele Geräte ich nutze - das ist alles, was bei meinen Einstellungen für Werbung bei Google ablesbar ist. Der Werbeblocker (unten im Bild) verhindert eh' Werbeeinbelndungen, die über die drei Anzeigen ober- und unterhalb der Suchergebnisse hinausgehen.

Alter und wie viele Geräte ich nutze – das ist alles, was bei meinen Einstellungen für Werbung bei Google ablesbar ist. Der Werbeblocker (vorletzte Zeile) verhindert eh’ Werbeeinblendungen, die über die drei Anzeigen ober- und unterhalb der Suchergebnisse hinausgehen.

 

Mit den richtigen Einstellungen im Google-Konto muss ich mich also vor Offenbarungen bei google.com\ads\preferences oder google.com\locationhistory nicht fürchten. GoogleTakeout bietet an, alle verfügbaren Daten gesammelt per E-Mail zu erhalten.

Google macht seine Datensammelei eigentlich ziemlich transparent – man muss sich halt nur die Mühe machen, die Einstellungen zu überprüfen und ggf. zu verändern.

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Quiz zu Bibliothekswissenschaften bei ZEIT-online

Hach ja, so sah es früher aus - und auch so kam man an Informationen!

Hach ja, so sah es früher aus – und auch so kam man an Informationen!

Das Quiz von ZEIT-online hat mich tatsächlich ein paar kleinere Recherchen gekostet und selbst dann lag ich bei einer Frage noch falsch.

Mögen Sie Ihr Wissen zu Bibliothekswissenschaften auch mal testen? Hier gehts los.

Viel Spaß.

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Thema 1914 – 6.5.1915

Heute vor 100 Jahren: Noch ist das erste Kriegsjahr nicht vorbei, da muss in Wien nachgemustert werden. Während das Fremdenblatt in staatstragenden Formulierungen die magistratlichen Beschlüsse kundtut, gibt die Arbeiterzeitung auch dem Unmut der Leute Raum, die ihre ansonsten bezahlte Arbeitszeit für Warterei auf dem Amt aufbringen mussten. Wenn ich mir die soziale Notlage der Arbeiter im Wien von 1914 vor Augen halte, kann ich letzteres gut verstehen.

Ein Beitrag zu Thema 1914

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Thema 1914 – 28.4.1915

Heute vor 100 Jahren, am 28.4.1915, schrieb Bernard Curtis Rice an seinen Vater – und zwar in einem grünen Umschlag. Diese farbigen Umschläge sollten es Soldaten ermöglichen, private Dinge an ihre Angehörigen zu senden, ohne dass der direkte Vorgesetzte davon erfuhr. Grüne Umschläge wurden erst von einer weiter entfernten Behörde zu Zensurzwecken geöffnet.

Inhaltlich finde ich den Brief jetzt nicht so vertraulichen Inhalts – aber die Gedanken, die Bernard sich zum Thema Zensur und Vertraulichkeit macht, sind schon interessant.

Hier können Sie den Brief und den Kommentar dazu lesen.

Und hier gibt es Information zu Bernard.

Ein Beitrag zu Thema 1914

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Umfrage der TIB zu Anforderungen bei Text- und Data-Mining

Bis zum 15.5.2015 können Sie noch an einer Umfrage der TIB teilnehmen, die die Bedürfnisse von Wissenschaftlerinnen bei Text- und Data-Mining (TDM) erkundet. Ziel ist es,

einen möglichen Handlungsbedarf für die Verbesserung der Nutzbarkeit von Ressourcen sowie Empfehlungen für die Gestaltung des Regelungsbedarfs für die Nutzung von Ressourcen für Text- und Data-Mining ab(zu)leiten (Quelle)

und

Herausforderungen und aktuelle Hindernisse für TDM im deutschen Wissenschaftssystem (zu) erkennen (Quelle)

Ich finde es eine sehr sinnvolle Umfrage und unterstütze sie gern – also, wenn Sie noch nicht mitgemacht haben … :-)

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Deutsche Einheit – online

Es gibt ein grandioses Projekt in Sachen Digitalisierung: Unter dem Titel “Aufbruch und Einheit. Die letzte DDR-Regierung” sind die Beschlüsse, Gesetze etc. der letzten Regieung der DDR – gleichzeitig der ersten demokratisch gewählten – nun online einsehbar. Außerdem wird die Zeit der “friedlichen Revolution” und der Übergangsregierung Modrow abgebildet. Es geht also um die Jahre 1989 und 1990.

Dazu gibt es, besonders in der Chronik, Bilderstrecken – einerseits von der Lage in der DDR, andererseits von vielen der damals Aktiven. Ich habe gestaunt, wie viel ich aus der Zeit schon wieder vergessen habe  …

Beispiele für die verschiedenen Dokumente gefällig?

  • Eine Dokumentation zur Wahlfälschung der Wahlen im Mai 1989 mit dem Vermerk “Nur zur innerkirchlichen Information”.
  • Veröffentlichung der Wahlkommission der DDR zu ersten freien Wahl im März 1990 mit allen Ergebnissen der Wahlkreise.
  • Es gibt Ministerbiographien, hier ein Beispiel aus dem Finanzministerium

Ganz unten findet sich immer der Hinweis, dass wir es mit einem im Aufbau befindlichen Projekt zu tun haben – sprich: Es kommt noch was dazu, wiederkommen lohnt sich.

Es gibt verschiedene Formen, sich auf der Site zurechtzufinden – für die verschiedenen Endgeräte, aber auch für unterschiedliche Vorlieben:

  • Systematisch von den Menüpunkten auf der Startseite aus
  • durch Links in den Texten
  • durch Linklisten am Ende einer Seite.

Die Chronik in Bildern ist in Quartalsabschnitte (Jan-März 89, Apr-Juni 89 etc.) eingeteilt und bietet als kurzen Einstieg ein kommentiertes Foto zur jeweiligen Überschrift. Für die Vertiefung gibt es dann einen Link in den Textbereich.

Eine ansprechend gemachte Seite, die gut aufbereitete Informationen zugänglich macht.

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